Verhalten während der Läufigkeit

Nelly und ich lieben Spaziergänge und Wanderungen. Wir sind gerne draußen und unterwegs. Gerade Nelly liebt es, mit anderen Hunden herum zu toben und zu spielen. Da wird gerannt, getobt, gerauft bis der Arzt kommt!

Nur in zwei Monaten im Jahr ist das ein wenig anders. Da läuft nicht unser Normalprogramm, sondern wir gehen isolierter unserer Wege. Zweimal im Jahr ist Nelly läufig und alles ist ein klein wenig anders.

Während der Läufigkeit ist es sehr wichtig sich an ein paar Grundregeln zu halten. Gleichzeitig sollte man darauf vorbereitet sein, dass sich die Hündin, wie auch fremde Rüden, in ihrem Verhalten verändern und nicht mehr so steuerbar sind, wie sonst.

Hier muss sich der Hundehalter vor Augen halten, dass es sich um ein Instinktverhalten handelt. Es ist ein Triebverhalten, das der Arterhaltung dient. Sobald sich dieser Trieb einschaltet, ist es mit dem Gehorsam der Hund meist vorbei!

Wenn man sich die Stammform unserer Hunde, den Wolf, ansieht, erkennt man, dass die Wölfin nur einmal im Jahr läufig wird. Die Läufigkeit löst beim Wolfsrüden die Zeugungsfähigkeit aus und er beginnt mit dem Werbeverhalten. Es kommt zum Deckakt und ca. zwei Monate später kommt ein Wurf Wolfswelpen zur Welt.

Während der Domestikation der Hunde veränderte sich das Fortpflanzungsverhalten. Rüden sind nun dauerhaft zeugungsfähig und die Weibchen werden in der Regel zweimal im Jahr läufig, etwa im Frühjahr und im Herbst.

Leider verschieben sich in letzter Zeit die Läufigkeitsphasen der Hündinnen immer mehr. Da wird z. B. In einem Wohnviertel eine Hündin nach der anderen läufig. Im schlimmsten Fall geben sich die Hündinnen das ganze Jahr über die Klinke in die Hand. Die im Viertel lebenden Rüden haben dann natürlich permanent irgendwo eine läufige Hündin in der Nase!

Doch auch Eingriffe des Menschen können den Läufigkeitsrhythmus verschieben. Beispielsweise durch die chemische Kastration wird die Läufigkeit einer Hündin durch eine Hormonspritze unterdrückt. Diese Hormone wirken sehr lange und können dazu führen, dass eine Hündin mit ihrem Rhythmus komplett aus der Reihe tanzt.

Zusätzlich gibt es aber auch Hundevermehrer, die finden es ganz toll, wenn die Hündinnen so aus dem Ruder laufen! Da ein Vermehrer nicht nur zweimal im Jahr Welpen haben will, die er verschachern kann, sondern am liebsten ständig welche da haben will, sind ihm solche Hündinnen lieber!

Ablauf der Läufigkeit

In der Regel dauert die Läufigkeit einer Hündin etwa vier Wochen. Wobei meist das zweite Drittel dieses Zeitraumes der Entscheidende ist.

Die Vorbrunst dauert ca. eine Woche. Sie ist gekennzeichnet durch Unruhe und Gereiztheit bei der Hündin. Sie ist sehr verspielt, gerade bei Rüden. Ihre Geschlechtsteile schwellen an. Für den Besitzer ist die Schwellung von außen sehr gut sichtbar. Die Hündin produziert jetzt schon den starken Läufigkeitsgeruch und verteilt ihn zusätzlich an strategisch wichtigen Markierstellen.

Natürlich wird die Hündin nun für die Rüden sehr interessant. Der starke Geruch lockt die Rüden geradezu an. Aber noch will die Hündin die Rüden nicht haben. Jeder, der ihrem Hinterteil zu nahe kommt, wird vehement abgeschnappt.

Mit dem Beginn der Blutung setzt die Hochbrunst ein. Die Hündin ist aber noch nicht bereit zur Paarung und schnappt die Rüden weiterhin rigeros ab.

In der Regel sind läufige Hündinnen sehr reinlich. Sie lecken recht häufig das Blut von ihrem Geschlechtsteil. Natürlich kann auch mal etwas zu Boden tropfen. Auch diese Tropfen werden eigentlich von den Hündin entfernt.

Zum Schutz der Böden zu hause empfielt sich trotzdem ein Höschen, das mit entsprechenden Einlagen, sehr hygienisch verhindert, dass der Teppich verunreinigt wird. Jedoch ist so ein Höschen nicht als Verhütungsmittel gedacht. Es wäre Tierquälerei, die Hündin so in den Freilauf, zu anderen Hunden, vor allem Rüden, zu lassen.

Nach etwa 9 bis 13 Tagen nach Beginn der Blutung ist die Hündin fortpflanzungsbereit. In diesen Stehtagen sind die Eizellen befruchtungsfähig. Dies ist der wichtigste Zeitraum während der Läufigkeit!

Die Hündin schnappt Rüden, die an ihr Hinterteil gehen wollen, nicht mehr ab. Sehr willig präsentiert sie sich diesen. Sie ist bereit zur Fortpflanzung und ihr ganzes triebhaftes Verhaltensprogramm ist darauf ausgerichtet, gedeckt zu werden und so ihrer Art zu erhalten.

Nach etwa einer Woche sind die Stehtage vorbei. Danach folgt die Nachbrunst, in der die Läufigkeit abklingt. Der Hormonspiegel normalisiert sich und der Körper kommt auf sein Normallevel zurück.

Verhaltensregeln für die Hundehalter

Von den oben beschriebenen vier Wochen der Läufigkeit sind eigentlich nur 7 bis 10 Tage wirklich wichtig. In den Stehtagen ist es unerlässlich Rüde und Hündin voneinander fern zu halten! Wenn beide hier unkontrolliert zusammenkommen würden, käme bei beiden die Natur durch und sie würden sich paaren.

In der Zeit davor und danach schnappt die Hündin recht zuverlässig jeden Rüden ab, der an ihr Hinterteil gehen will. Trotzdem sollte man sich überlegen, ob man während der gesamten Läufigkeit Hundeauslaufgebiete meidet. Diese Besuche können für die Hündin in erheblichen Stress ausarten, wenn sie sich permanent den Aufreitversuchen zeugungswilliger Rüden erwehren muss.

Man braucht die Hündin aber nicht komplett zu isolieren. Sie wegzusperren halte ich für den falschen Weg. Kontrollierte Hundebegegnungen können ruhig auf den Spaziergängen stattfinden. Sobald man aber Stressanzeichen an der Hündin bemerkt, sollte man sie aus der Situation herausbringen.

Grundsätzlich gilt aber andere Hundehalter, die man trifft, über den Zustand der Hündin zu informieren. Zudem sollte man die Hündin anleinen. Erst wenn der andere Hundebesitzer keine Bedenken hat, können die Hunde miteinander spielen.

Der Fall der Fälle

Was macht man, wenn sich tatsächlich zwei Hunde paaren? Am Besten: Nichts!!!

Caniden haben eine Besonderheit bei der Paarung: Das männliche Geschlechtsorgan beinhaltet einen Schwellkörper. Dieser schwillt während der Vereinigung an. Dieses „Hängen“ sichert die Vereinigung und verhindert, dass der Samen des Rüden aus dem Geschlechtsorgan der Hündin hinaus läuft und so die Eizellen nicht befruchtet werden.

Niemals sollte man zwei hängende Hunde voneinander trennen! Ich kenne mehrere Fälle, bei denen die Hunde von den Besitzern gewaltsam auseinander gerissen wurden. Das hatte sowohl bei den Rüden, als auch bei den Hündinnen, lebensgefährliche Verletzungen zur Folge!

Lieber sollte man warten, bis der Schwellkörper wieder kleiner geworden ist und sich die Hunde selbständig voneinander lösen. Dies dauert etwa 10 bis 30 Minuten.

Gegen eine ungewollte Schwangerschaft gibt es, meines Wissens nach, ein Medikament, dass die Befruchtung der Eizellen abbricht. Es ist zwar teuer, aber der Preis für die OP nach einer gewaltsamen Trennung der Hunde ist um ein Vielfaches höher!

Es ist für mich ein Rätsel, wie blind viele Hundebesitzer sind, wenn es um das Thema Läufigkeit bei Hündinnen geht. Viel zu spät bemerken sie, dass ihre Hündin läufig wird, obwohl sich ihr Geschlechtsorgan, von außen sichtbar, angeschwollen hat. Oder die Blutung schon eingesetzt hat! Einige bemerken es erst dann, wenn sich alle Rüden der Nachbarschaft vor dem Haus versammelt haben.

Dass man die Hündin während der Stehtage nicht in Hundeauslaufgebiete laufen lässt, ist einigen Besitzern auch nicht klar. Diese sind es dann auch meist die panisch reagieren, wenn die Hündin gedeckt wird oder sie beschimpfen oder schlagen, wenn sie sich bereitwillig vor den Rüden positioniert.

Verwendet Literatur:

E. Trumler, Trumlers Ratgeber für den Hundefreund, Piper Verlag

E. Trumler, Mit dem Hund auf Du, Piper Verlag

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Ees sind jetzt 23 Tage nach beginn der läufigkeit unserer Hündin. Kann ich dann jetzt wieder mit ihr unter rüden gehen oder lieber noch nicht.

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