Der Hund und die Packtasche


Gerade im Sommer fange ich oft an zu fluchen! Es ist heiß, 30°C! Und ich tragen einen Rucksack, in dem alles Mögliche für eine Wanderung mit Hund dabei ist: Wasser, Erste-Hilfe-Tasche, Pfoten-Walker, Hundefutter, Bällchen, etc.. Mein Hund trägt nichts! Schmeißt sich in jedes Wasserloch und mir läuft der Schweiß in Strömen am Körper herunter. Das ist nicht fair!

Das Problem habe ich natürlich gelöst! Nun muss mein Hund seinen Kram mit einer Hundepacktasche selber tragen! Das ist vernünftige Arbeitsteilung. Und wenn man sich vor Augen hält, dass der Hund immer auch als Lasttier genutzt wurde, erkennt man, dass auch die Hundepacktasche, eine wunderbare Art ist seinen Hund auszulasten.

Ein nicht unwesentlicher Punkt ist auch, dass die Packtasche und deren Gewicht, den Hund natürlich ein wenig behindert, wenn er mal richtig Geschwindigkeit machen will. Dieser sehr positive Effekt ist mir bei vielen jagdlich orientierten Hunden aufgefallen. Sie rennen zwar ansatzweise hinter dem flüchtenden Wild her, geben die Verfolgung aber schon nach wenigen Schritten auf. Es hat fast den Anschein, als würde die Packtasche ihnen das Jagen verleiden.

Die Qual der Wahl
Da der Hund seine Packtasche auf längeren Touren auch mehrere Stunden tragen muss, sollte man versuchen, die Auswahl mit der gleichen Sorgfalt durchzuführen, als würde man für sich selbst einen Rucksack kaufen! Da kaufen wir ja auch nicht das erstbeste und billige Stück von der Stange. Das wird anprobiert, beladen und durch den Laden getragen, bis man den Richtigen gefunden hat.

Das Angebot der Hundepacktaschen ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Fast jeder Hersteller von Hundebedarfswaren, hat mindestens ein Produkt im Sortiment. Bei einer Preisspanne von 10 bis über 100 Euro gibt es natürlich ganz erhebliche Qualitätsunterschiede. Nicht die teuerste Packtasche ist dabei automatisch die Beste und umgekehrt natürlich auch nicht.

Der beste Ort um eine Hundepacktasche zu erwerben, ist natürlich eine Haustiermesse. Da sehr viele Hundeartikelerzeuger anwesend sind, findet man auch viele verschiedene Arten von Packtaschen. Nehmen Sie einfach ihren Hund mit und probieren sie die Taschen aus. Sollte Ihnen ein Konzept nicht zusagen oder nicht genau anpassbar auf ihren Hund sein, dann kaufen Sie sie nicht!

Erst wenn alles sitzt, Polster zwischen Hund und Taschen vorhanden sind und Belüftungsmöglichkeiten bestehen, haben Sie vielleicht das richtige Produkt gefunden. Ich selber habe die perfekte Hundepacktasche bei einem Trekkingartikelversender gefunden und sie war noch nicht einmal richtig teuer!

Gewöhnung an die Tasche
Bei der Gewöhnung neuer Dinge im Leben des Hundes, sollten diese beim Hund positive Gefühle erzeugen. Es ist nicht gut, wenn der Hund mit Angst reagiert, sobald wir mit der Hundepacktasche auftauchen. Daher arbeiten wir hier mit dem Element der positiven Verstärkung. Sollten wir dabei mal mit der Übung nicht weiterkommen oder der Hund reagiert nicht so, wie wir es gerne hätten, beenden wir die Übung und setzen sie zu einem späteren Zeitpunkt fort.

Am besten lernen Hunde etwas Neues in gewohnter Umgebung. Daheim sind sie entspannt und werden nicht abgelenkt. Daher nehmen wir uns die Packtasche, bewaffnen uns mit ein paar Leckerchen und zeigen dem Hund die Tasche. Gleichzeitig tüten wir in seinem Maul schöne, begehrte Leckerchen ein. Diese Übung dauert nicht mehr als 5 Minuten. Unser Hund bekommt nur die Packtasche gezeigt – er muss sie nicht tragen! Es wäre gut, wenn wir die Übung über den Tag verteilt etwa drei bis viermal durchführen.

Nach ein paar Tagen sollte unser Hund so weit sein, dass er freudig erregt mit der Rute wedelt, wenn wir mit der Packtasche auftauchen. Dann ist es Zeit, mit der Übung einen Schritt weiter zu gehen. Ganz vorsichtig legen wir dem Hund die Packtasche auf dem Rücken, machen sie aber noch nicht fest. Dabei wird der Hund natürlich kräftig gelobt und bekommt seine begehrten Leckerchen.

Sollte unser Hund hier Angst zeigen, ist er noch nicht bereit für die Packtasche. Hier sollten wir lieber noch ein paar Tage die Eingangsübung wiederholen. Viele Hunde zeigen Angst, wenn etwas Großes über ihren Kopf geführt wird. Daher sollte man gerade diese Übung wirklich langsam angehen. Hunde, die beispielsweise an ein Hundegeschirr gewöhnt sind, kommen damit meist besser zurecht.

Auch hier arbeiten wir so lange mit der Übung weiter, bis der Hund total entspannt ist, wenn er die Packtasche auf den Rücken gelegt bekommt. Das kann durchaus wesentlich länger dauern als die erste Übung.

Nun können wir dazu übergehen, die Schnallen der Packtasche zu schließen. Auch hier wird der Hund weiterhin gelobt. Anschließend werden die Gurte festgezurrt und die Packtasche richtig angepasst. Natürlich bekommt der Hund weiterhin Leckerchen eingetütet.

Training mit der Packtasche
Da nun unser Hund die Packtaschen kennt und auch weiß, dass er sie auf dem Rücken tragen soll, kommt eigentlich der schwierigere Teil! Unser Hund muss jetzt lernen, dass er breiter ist.

Dafür befüllen wir die Packtasche mit zerknülltem Zeitungspapier. So ist die Hundepacktasche schön prall gefüllt, aber nicht schwer! Mit Gewicht arbeiten wir erst später.

Die so befüllte Tasche bekommt nun der Hund an und wir gehen mit ihm ein paar mal durch die Wohnung. Dabei kann man ruhig einen kleinen Slalom aus Stühlen nutzen. So lernt unser vierbeiniger Freund, dass er Kurven anders nehmen muss. Natürlich arbeiten wir weiterhin mit Futterbelohnungen.

Sollte dies gut funktionieren, können wir langsam nach draußen gehen. Auch hier wollen wir mit kleinen Schritten beginnen. Lieber die Tasche nur einige Minuten benutzen, als direkt mit einer riesigen Wanderung zu beginnen. Auch draußen wird der Hund gelobt, als würde er etwas ganz tolles machen. Nach Möglichkeit sollte der Hund bei jedem Spaziergang die Tasche tragen.

Jedoch sollten wir uns davor hüten, den Hund zu bemitleiden, wenn er irgendwo mit der Tasche aneckt oder hängen bleibt. Dies würde er sofort mit der Tasche in Verbindung setzen und diese würde negativ besetzt werden. Lieber sollten wir ihn auch in diesen Situationen belohnen und mit ihm üben, damit er diese meistern kann.

Gewichttraining
Die Sache mit dem Gewicht ist ähnlich wie bei uns. Auch wir können keine großen Gewichte ohne Training transportieren. Wenn Sie merken, dass Ihr Hund immer seltener mit der Tasche aneckt oder hängen bleibt, können Sie mit zusätzlichem Gewicht anfangen zu trainieren. Maximal kann man einen Hund mit 33 % seines Körpergewichtes belasten. Bei einem Hund von ca. 24 kg sind das immerhin 8 kg. Also 4 kg pro Seitentasche.

Persönlich würde ich den Hund aber nicht mit dem Maximalgewicht belasten, sondern mit etwa 3 kg pro Seite. Als Anfangsgewicht kann man ruhig 0,5 kg pro Seite wählen. Ich arbeite hier gerne mit 0,5 l PET-Flaschen. Auf jeder Seite eine dieser Flaschen sind ein gutes Anfangsgewicht.

Mit diesem Gewicht sollte man auch ruhig zwei Wochen arbeiten, bevor man mit den nächsten 2 Flaschen weiter trainiert. Merken Sie, dass Sie ihren Hund zu hoch belastet haben, gehen Sie lieber einen Gewichtsschritt zurück im Training.

Ein gutes Ziel wäre, wenn unser Hund am Ende des Trainings wirklich ein paar seiner Dinge selber transportieren könnte. So tragen wir zwar das Meiste in unserem Rucksack, aber sein Wasser und sein Ersatzgeschirr bzw. die Leine kann ruhig der Hund tragen.

Auch wird unser Hund am Ende nicht immer die Packtasche tragen. Es wird auch weiterhin Runderunden geben, die nur mit Spielen und Toben zu tun haben. Daher wird die Packtasche automatisch negativer besetzt. Das sollte uns allen klar sein! Aber mit dem oben beschriebenen Training wird die ganze Sache schon wesentlich leichter.

Was sollte der Hund transportieren?
Auf jeden Fall nichts Lebensnotwendige und nichts, dass nass werden sollte. Die meisten Hunde legen sich auch mit den Packtaschen mal ins Wasser und wenn dort das GPS-Gerät oder das Handy transportiert wird, wäre das schon ärgerlich.

Hundedinge kann auch ein Hund mitnehmen. Die Leckerchen (wasserdicht verpackt), Wasser (sehr gut dosierbar), Hundeleinen, Halsband/Geschirr, Walker. Das sind Sachen, die der Hund tragen kann. Da brauch sich nicht der Mensch mit abzumühen.

Nebeneffekte
Was ich bei der Nutzung der Hundepacktasche bemerkt habe, ist, dass die Hunde doch ein wenig eingeschränkter in ihrer Bewegung sind. Sie merken, dass dort mehr Gewicht vorhanden ist und stürmen so nicht so unbedacht durch die Gegend herum. Auch scheint das Interesse an einigen Dingen nachzulassen. Bei meinem Hund konnte ich eine deutliche Verminderung der jagdlichen Tendenz bemerken, sobald die Tasche auf dem Rücken ist.

Klar, ein Reh am Wegesrand und nur zwei Meter weit weg und mein Hund wäre hinterher. Aber sie bleibt doch mehr auf dem Weg, um ja nicht einen Schritt zu viel mit dem schweren Ding gehen zu müssen.

Bezugsquellen:
www.globetrotter.der
www.mysportydog.de

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke Björn für die tolle Beschreibung, diese hat mir in meinen Fragen weitergeholfen. Da wir nächstest Jahr, 2 Menschen + 2 Hunde den portugiesischen Jakobsweg laufen wollen, habe ich einen Eindruck von der Gewöhnung der Packtaschen an den Hund.
    Hast Du zufällig Erfahrung in Bezug auf unser Vorhaben? Wenn ja, wäre ich um jede Info sehr dankbar.
    Viele Grüße Anja

    Antworten

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