Familienbande

Dirk öffnete die Haustür. Von draußen hatte er schön freudiges Gebell gehört und nun hatte er schon beide Vorderpfoten von Apache auf der Brust. Die Hündin freute sich riesig. Nicht, dass nur der Schwanz wedelte – nein, der ganze Hund schien zu Wedeln und sie zog die Lefzen zurück und zeigte ihm ihr Hundelachen.

Natürlich freute sich auch Dirk über diese stürmische Begrüßung und schon lagen beide auf dem Boden. Er hatte sofort ihr Ziehseil hervorgeholt und um dieses balgten beide gerade, als Sara in den Flur kam.

„Ihr zwei seid doch bescheuert!“, sagte sie als sie das Knäuel vor sich sah. „Dirk! Doch nicht im Anzug. Der muss sonst in die Reinigung oder geht kaputt. Dafür ist er zu schade. Los! Zieh dich um. Apache…Aus!“

Dirk rappelte sich auf, doch Apache wollte weiter spielen und Sara hatte ihr liebe Not, den Hund zurück ins Wohnzimmer zu bugsieren. Sie hat ja recht, dachte Dirk. In den letzten Wochen, hatte er von seinem Chef im Büro schon einiges zu hören bekommen, aufgrund der Sabberflecken auf seinen Anzügen.

Kurze Zeit später kam er mit Jeans und Wollpullover zurück in die Küche. „Das duftet aber gut“, stellte er fest.

„Ja, aber es braucht noch gut eine Stunde. Nimm Dir doch den Hund und geh mit ihm noch eine Runde. Sie ist heute nicht viel raus gekommen!“

„Sag bloß nicht, dass Du Dich von der Angst hast anstecken lassen!“ Seit einigen Tage hatte man in den Wäldern rings um einige gerissene Rehe gefunden. Die Lokalpresse sprach sogar schon von den Werwölfen im Naturschutzgebiet. Vor allem, nachdem auch zwei Hunde getötet worden waren. Einige Spaziergänger hatten sogar einen großen, aufrecht gehenden Wolf mit rot glühenden Augen gesehen. „Sara, das sind doch alles Spinner!“

„Sie ist in den letzten Tagen so unruhig. Ich hab hin und wieder das Gefühl, dass ich sie nicht so im Griff habe! Und du weißt ja, wie sie ist, wenn ich nicht so gut drauf bin und dann zusätzlich meine Angst. Bei jedem Knacken im Unterholz zuck ich zusammen.“

„Eigentlich hast Du doch unser kleines Raubtier dabei. Das soll Dich doch beschützen. Aber ist kein Problem. Ich muss eh den Kopf ein wenig frei bekommen und draußen ist es richtig schön. Wird langsam alles weiss.“

Dirk zog sich seine alte Armeejacke an und machte Apache an der Leine fest, die schon freudig hin und her sprang, weil sie wusste, dass es raus ging. Der Schnee war dichter geworden und große Flocken legten sich auf alles. Fünf Zentimeter waren es wahrscheinlich schon. Apache fing sofort an, ihre Nase in den Schnee zu stecken, um die Flocken mit der Zunge auf zu schlecken.

Direkt neben dem Haus führte ein Weg ins Naturschutzgebiet und Dirk konnte den Wehrturm des Rittergutes vor sich ausmachen. Schnell überprüfte er, ob er nichts vergessen hatte; Handy, Taschenlampe und Taschenmesser waren da – man konnte ja nie wissen.

Apaches Nase witterte am Boden. Immer wieder nahm sie ein paar Flocken auf die Zunge und schmatzte. Nachdem sie den Wehrturm erreicht hatten ging es abwärts in den Wald hinein. Durch den Schnee konnte Dirk gut den Weg erkennen und so kamen sie gut voran.
Es raschelte! Apache hob die Nase. Ihr Kopf flog von links nach rechts. Sie zog sprunghaft an der Leine und versuchte, etwas zu fangen. „Na, Jagdtante. Hast Du was in der Nase?“ Im Dunkeln war es unmöglich Apache ab zu leinen. Keine paar Minuten und sie wäre weg gewesen. Hinter einem Reh oder Hasen hinterher. Das war eigentlich das einzige Problem, was sie noch mit ihr hatten und das würde sich wohl nicht ändern.

Als Dirk und Sara vor zwei Jahren das Haus gekauft hatten, war beiden klar, dass ein Hund dazu muss. Dirk war mit Hunden aufgewachsen, aber sein Job stand dem entgegen. Sara arbeitet im Homeoffice viel von daheim und so hatte sie die Zeit sich um einen Hund zu kümmern. Im Internet hatten sie schnell bei einer Tierschutzorganisation Apache gefunden. Sie kam aus Osteuropa und sollte dort eigentlich in einer Tötungsstation enden. Doch irgendwie hatten Tierschützer sie retten können.

In Deutschland war sie dann bei mehreren Vorbesitzern gescheitert und fristete ihr Dasein im Tierheim. Sie war von Anfang an sehr scheu und ängstlich gegenüber Menschen gewesen. Doch ihre dunklen bernsteinfarbigen Augen erweichten Saras und auch Dirks Herz und schnell wurde sie nach hause geholt. Anfangs hatten sie dann auch extreme Schwierigkeiten mit ihr, aber mit viel Liebe und Geduld war ihre Scheu gewichen. Die Mitarbeiterin des Tierheims war vor eine halben Jahr nochmal zur Nachkontrolle da gewesen und war begeistert von ihren Fortschritten gewesen. Sie meinte, dass Apache wohl einige Jahre in einem Wildhunderudel gelebt hat und daher Menschen nur negativ in Erinnerung hatte. Dirk und Sara liebte sie mittlerweile heiß und innig.

So war die Jagd das einzige Problem mit Apache geblieben. Aber Dirk wusste, wann er sie ableinen konnte und wann nicht. Und im Dunkeln blieb sie halt an der Leine!

Langsam erreichten sie das Wasser. Der kleine Fluss rauschte ganz schön. Das Wasser stand hoch von den Regengüssen der letzten Tage, die nun, aufgrund der fallenden Temperaturen, in Schnee übergegangen waren. Der Weg folgte nun dem Flusslauf und Apache versuchte immer wieder ins Wasser zu kommen. „Nein, du Seehund“, sagte Dirk zu ihr, „Es ist viel zu dunkel und die Strömung ist zu stark.“ Apache blickte ihn an, legte den Kopf schief und knötterte ein wenig, fügte sich aber, als hätte sie jedes Wort verstanden.

Auf einmal schnellte Apaches Kopf wieder in die Höhe. Im Dickicht raschelte es. Dirk schaute angestrengt ins Dunkel. War da nicht ein Schatten? Er trat näher heran, machte eine Bewegung aus und mehrer schemenhafte Körper flogen ind Unterholz. Dirk schreckte ein wenig zurück, Apache wollte hinterherm aber er hielt sie fest.

Das waren nur ein paar Rehe, rief sich Dirk zur Ruhe, lass dich jetzt nicht von der Panik der anderen anstecken. Ein Boulevardblatt hatte heute, die Storay aufgegriffen und die zerfetzten Leiber der toten Tiere gezeigt. Ein paar Bewohner aus der Nachbarschaft sprachen von ihren Ängst und von bizarren Schatten in der Dunkelheit.

Der Weg führte nun steil bergauf vom Wasser weg. Er liebte diese Stelle! Ganz in der Nähe gab es eine alte Höhle, die etwa drei Meter in einen Felsen führte. Hier hatte er als Junge mit ein paar Freunden immer gerne seine Zeit verbracht. Und vor zwanzig Jahre war so manch eine Schneeballschlacht um diese Höhle geführt worden. Er lächelte, als er an diese Zeit zurückdachte.

Sein Atem ging schnell. Er musste sich richtig anstrengen, den Anstieg zu erklimmen. Gleichzeitig war Apache sehr unruhig. Sie sprang aufgeregt hin und her und Dirk musste aufpassen, dass sie ihn nicht von den Füßen holte. Sie zog und zerrte an ihrer Leine und wollte irgendetwas erreichen, dass Dirk nicht erkennen konnte.

„Apache! Aus!“, blöckte er sie an. Gleichzeitig zog er sie heftig an der Leine und stampfte mit dem Fuß auf, so dass Apache zusammen zuckte und die Ohren anlegte.

Da hörte er von er ein Grollen. Sein Kopf flog nach links und er sah einen schwarzen Schatten zwischen den Bäumen, der etwa so groß war wie Apache. Zwei gelbe Augen blickten ihn an! Keine zehn Meter entfernt. Und dahinter sah er noch andere Schatten die zwischen den Bäumen auf ihn zu kamen.

„Apache, lauf“, schrie er seiner Hündin zu und versuchte bergauf zu laufen. Aber Apache zog auf die Augen hin. Es war als wollte sie unbedingt zu ihnen. Dirk zog und zerrte den Hund hinter sich her. Mit viel Mühe kam er endlich oben auf der Anhöhe an und blickte zurück.

Da war nichts! Keine Augen und keine Schatten. Er stutzte und fluchte innerlich, dass er sich von diesen Ängsten hatte überwältigen lassen. Langsam ließ er den Blick umher schweifen und konzentrierte sich, ob er irgend etwas sah. Aber da war nichts. Auch Apache war wieder ruhig.

Sein Handy klingelt und er wäre vor Schreck fast in Ohnmacht gefallen. Langsam sog er die Luft ein und hebte ab: Ja?… Hallo Schatz… Wir brauchen noch ein halbes Stündchen!…Ja bei uns ist alles ok…Bis gleich. Hab Dich lieb!“ Er legte auf und stopfte das Handy zurück in die Tasche. „Das war Frauchen, Apache. Die macht sich Sorgen um uns. Apache?“ Aber Apache reagierte nicht auf ihn, sondern schaute an ihm vorbei in die Dunkelheit und wedelte mit dem Schwanz.

In Dirks Nacken kribbelte es. Wurde er von hinten angestarrt? Apache konzentrierte sich auf etwas hinter seinem Rücken. Ihm wurde heiß, Schweiß stand ihm auf der Stirn. Langsam drehte er sich um. Keine zwei Meter entfernt standen fünf hundegroße Schatten, die sich deutlich vom weißen Hintergrund abhoben. Vier etwa gleich große Hunde standen in einer Gruppe zusammen. Sie wirkten noch nicht ganz ausgewachsen und in der Dunkelheit, sahen sie Apache sehr ähnlich.

Vor der Vierergruppe stand ein enorm großer schwarzer Hund. Er starrte Dirk mit seinen gelben Augen an. Dirk zitterte! Er wusste, dass die gelben Augen nur von dem Restlicht im Wald herrührten, das dort verstärkt wurde. Und doch sahen sie jetzt extrem gefährlich aus. Aber sie blickten nicht ihn an, sondern Apache, die sich freudig gestimmt, dem Schwarzen nähern wollte.

Dirk taumelte zurück und zog Apache mit sich. Sofort fing der Schwarze wieder an zu knurren und die vier anderen fielen mit ein. Panik stieg in Dirk hoch. Er lief schneller rückwärts. Achtete nicht auf seine Umgebung und fiel über eine Wurzel. Im Fallen ließ er vor Schreck die Leine los und Apache war frei. Sofort stürmte diese auf den Schwarzen zu und umtänzelte ihn vor lauter Freude. Der Schwarze bellte kurz und nach der Begrüßung mit Apache, rannten beide in die Dunkelheit davon.

„Apache?“, murmelte Dirk. Er war auf einmal allein und konnte es nicht fassen. Nun erhob sich erneut ein Knurren! Die vier kleineren Hund waren immer noch da. Sie fixierten ihn und knurrten ihn an. Langsam kamen sie auf ihn zu.

Dirk wich auf dem Boden zurück. Er konnte seinen Blick nicht von den Hunden wenden. Seine Hände tasteten links und rechts nach etwas, womit er sich verteidigen konnten. Die Vier mussten seine Angst gewittert haben, denn nun kamen sie schnell näher. Er hörte ihr Knurren und sah ihre weißen, spitzen Zähne immer näher kommen.

Der erste hatte ihn fast erreicht, das spürte Dirk mit der rechten Hand einen starken Ast auf dem Boden. Er packte ihn und schwang ihn in Richtung des angreifenden Hundes. Der Ast traf diesen mit voller Wucht an der Schulter und schleuderte ihn links an Dirk vorbei. Die anderen drei verlangsamten ihren Vorstoß vor lauter Überraschung. Diesen Augenblick nutze Dirk, rappelte sich auf, kam auf die Beine und floh ins Unterholz, den Ast als Waffe in der rechten Hand an sich gedrückt.

Sobald Dirk davon lief, erwachten die übrigen drei aus ihrer Erstarrung und hetzten hinter Dirk her. Dieser wurde immer schneller. Er achtete nicht auf seine Umgebung. Äste schlugen ihm ins Gesicht, er stolperte über Wurzeln und taumelte mehr als er rannte. Er wusste nicht mehr wo er war, er wollte nur noch weg!

Hinter sich hörte er die Hunde, wie sie ihn verfolgten. Aber er wagte es nicht sich umzusehen! Plötzlich sah er einen Schatten an seiner Linken immer näher kommen. Er wich nach rechts aus. Von dort näherte sich auch ein Schatten. Sie griffen nicht an! Sie trieben ihn. Aber wohin? Links, rechts und von hinten jagten ihn die Hunde auf ein unbestimmtes Ziel zu.

Dirk rannte so schnell wie er konnte. Seine Verfolger waren nah. Aber sie griffen nicht an! Er wusste, dass er keine Chance hatte, aber das Adrenalin in seinem Körper trieb ihn an. Vielleicht konnte er ihnen entkommen. Warum griffen sie denn nicht an?

Er hörte sie hecheln. Das trampeln ihrer Pfoten war ganz nah. Aus dem Augenwickeln sah von beiden Seiten die Schatten immer näher kommen. Er hatte kaum noch Kraft. Sein Herz raste und seine Lungen brannten. Er umrundete einen Strauch und seine Füße traten ins Leere. Wo ist der Boden, fuhr es ihm durch den Kopf. Aber da viel er schon. Unendlich langsam kam der Boden auf ihn zu und nach etwa drei Metern schmetterte er auch schon auf die Schneedecke!

Mit einem dumpfen Aufprall landete er auf dem Boden. Ein Schmerz zuckte durch seine Brust. Er hörte ein knirschen und knacken in sich. Sein Atem entwich aus seinem Mund und er stöhnte. Einen kurzen Augenblick blieb er auf dem Bauch liegen. Langsam drehte er sich um und sah den Felsen hinauf, von dem er gerade herunter gestürzt war. Dort standen vier Schatten und blickten auf ihn hinab.

Dirk kannte den Felsen. Vor zwanzig Jahren hatte er schon mal hier gelegen und wurde von Frank und Peter während einer Schlacht um die Höhle überwältigt und richtig eingeseift. Die Höhle schoss es ihm durch den Kopf. Er drehte den Kopf und sah den düsteren Eingang vor. Er versuchte aufzustehen, aber die Schmerzen in der Brust waren zu stark. Wahrscheinlich hatte er sich ein oder zwei Rippen gebrochen. Der Neuschnee und das darunter liegende Herbstlaub hatten seinen Fall abgeschwächt.

Zwei oder drei Male atmete er durch, jeder Atemzug tat weh. Auf allen Vieren robbte er auf den Eingang zu. Dabei fiel sein Blick auf seine rechte Hand, die noch immer den Knüppel fest hielt. Kurz wunderte er sich darüber, dass er ihn nicht hat fallen lasen, da hörte er auch schon das trampeln der Pfoten sich nähern. Er mobilisierte nochmals alle Kräfte und kroch so schnell wie er konnte in die Höhle.

Dunkelheit und Schwärze umfing ihn. Er schob sich bis zum Ende der Höhle hinein. Dort drehte er sich um und lehnte sich mit dem Rücken an der kalten Felswand an. Vor dem Eingang sah er die vier Hunde auf und ab gehen. Einer humpelte. Dirk lachte grimmig in sich hinein. Aber mit dem Lachen kam der Schmerz zurück. „Was wollt ihr von mir“, schrie er die vier an. Er war fertig! Tränen rannen über sein Gesicht. War das das Ende?

Aus der Ferne hörte er ein Heulen. Nein! Zwei Stimmen heulten dort. Er meinte, dass eine davon Apaches Heulen war. Als Sara und er vor zwei Monaten aus dem Kino kamen, hatte er das gleiche Heulen vernommen. Die allein gelassene Apache hat die Nachbarn wohl volle drei Stunden mit ihrem Geheule um den Schlaf gebracht. Ja. Eine Stimme war Apache.

Die vier Hunde vor der Höhle reagierten auf das heulen. Sie standen auf, schoben sich zu einem Trupp zusammen. Erst begann einer seinen Kopf in den Nacken zu werfen und zu antworten. Dann vielen die anderen auch noch in das Heulen ein. Darauf kam aus der Ferne wieder eine Antwort, die natürlich wieder beantwortet werden musste. Dieses Spiel wiederholte sich mehrere Male bis das zweistimmige Heulen ganz in der Nähe war.

Jetzt kam Bewegung in die Gruppe vor der Höhle. Der Schwarze tauchte auf. Alle umringten ihn. Und dann kam Apache dazu. Dirk konnte sie draußen deutlich erkennen. „Apache“, flüsterte er. Sie mischte sich unter die Vierergruppe und es schien Dirk, als ob sie alle begrüßen müsse. Er hatte auch den Eindruck, dass die Hunde sich kannten. Er konnte es nicht erklären, aber er fühlte es.

Nun näherte sich der Schwarze dem Höhleneingang. Er knurrte. Seine Gestalt füllte den kompletten Eingang aus. „Lass mich in Ruhe“, schrie Dirk. Aber der Schwarze reagierte nur mit seinem Knurren und kam näher. Er war jetzt in der Höhle. Keine zwei Meter von Dirk entfernt. Dieser stieß mit dem Ast in Richtung des Hundes, was diesen richtig aufstachelte. Er zeigte seine Zähne. Grollte und verbiss sich in dem Ast. Ein wildes Gezerre begann. Keiner wollte aufgeben, aber der Schmerz durchzuckte Dirks Brustkorb und seine Kraft ließ nach. Er gab den Ast frei, den der Schwarze wild in die Ecke schleuderte.

Dirk war nun wehrlos. Das wusste der Schwarze! Mit weit geöffnetem Maul und Grollen in der Kehle näherte er sich immer mehr. Dirk versuchte den Schwarzen zu treten, doch dieser ließ nicht locker. Er verbiss sich in Dirks linkes Hosen Bein und zerrte ihn Stück für Stück in Richtung Höhleneingang. Dirk strampelte und schlug um sich, er versuchte sich am Boden festzukrallen. Aber es half alles nichts. Nach ein paar Minuten lag Dirk im Freien umringt von sechs Hunden.

Er wimmerte. Von allen Seiten wurde er angeknurrt. Tränen rannen über sein Gesicht. „Apache“, schluchzte er.

Apache legte den Kopf schief, die kam näher und stubste ihn an. Sie witterte und roch an ihm. Da stürmte der Schwarze vor und versuchte sich wiederum Dirks Bein mit seinen Zähnen zu packen. Apache wirbelte herum, sah den Schwarzen an und ließ ein bedrohliches Knurren hören. Verdutzt blieb der Schwarze stehen und sah sie an. Noch einmal machte er einen Vorstoß auf Dirks Bein zu.  Das Knurren der Hündin wurde noch lauter. Sie stapfte auf den Schwarzen zu, ihre Nackenhaare richteten sich auf, aggressiv zog sie die Lefzen zurück.

Der Schwarze hielt sofort inne und wich zurück. Apache kam langsam auf ihn zu. Leicht geduckt, aber jede Faser ihres Körpers war angespannt. Unsicher wendete der Schwarze den Blick ab. Aber Apache näherte sich ihn weiter bis sie fast seine Nase berührte. Einige Minuten verharrten beide in dieser Stellung, Dirk kam es unheimlich lang vor. Dann wendete sich der Schwarze komplett ab und trotte in Richtung Unterholz. Apache entspannte sich, kam zu Dirk zurück und leckte ihm das Gesicht ab.

Die vier anderen Hunde wirkten sehr verunsichert. Ihre Blicke pendelten zwischen dem Schwarzen und Apache hin und her. Dann ganz langsam trotteten auch sie zurück ins Unterholz, dem Schwarzen hinterher.

Dirk sackte zusammen. Er konnte nicht mehr. Apache lag neben ihn und wärmte ihn. Aus der Ferne vernahm er wieder ein Heulen, fünfstimmig. Sie warteten auf Antwort. Das letzte was Dirk bewußt noch wahrnahm, war, dass Apache sich hinstellte und ein trauriges Heulen von sich gab. Es war der traurigste Laut, den Dirk je gehört hatte. Danach umfing ihn Dunkelheit.
Als Drik aufwachte lag er in seinem Bett. Gott sei dank, nur ein Traum, shoss es ihm durch den Kopf. Er wollte aufstehen, aber ein Schmerz zuckte durch seinen Brustkorb. Er sah unter die Decke und bemerkte eine dicke Bandage rund um seinen Oberkörper. Langsam senkte er sich ins Bett zurück und stöhnte. Da wurde er auch schon an der Schulter angestubst. Apaches Nase näherte sich seinem Ohr und eine schlabbrige Zunge leckte dieses ab.

Die Tür ging auf und Sara kam herein. „Na endlich. Du hast vier Tage durchgeschlafen!“

„Wie habt ihr mich gefunden?“

„Nachdem ihr überfällig wart, hab ich den Petersen von der Freiwilligen Feuerwehr angerufen. Wir sind mit ein paar Mann los und habe nur ein trauriges Heulen gehört. Dem sind wir nach gegangen und haben euch beide gefunden. Was ist denn passiert?“

„Ich bin wohl gestürzt! Gab es noch weitere gerissene Tiere?“

„Nein. Warum?“

„Nur so.“

 

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.