ESEE Izula mit Gürtel-Clip

Fixed-EDC im Cross-Draw

In ein vernünftiges EDC gehört ein brauchbares Messer. Früher habe ich oft Folder mit Clip in der Hosentasche getragen. Jedoch waren Handling und die rechtliche Situation in Deutschland nicht mehr nach meinem Geschmack. Somit bin ich inzwischen auf kleine Fixed-Blades ausgewichen. Diese trage ich im Cross-Draw.

Taschenmesser: Zwei Zweihandmesser und ein Einhandmesser

Taschenmesser: Zwei Zweihandmesser und ein Einhandmesser

Das waren sicherlich jetzt jede Menge Anglizismen und Infos, die nicht direkt klar sind. Daher hole ich für die Anfänger im Thema ein wenig weiter aus.

Das gängige EveryDayCarry (EDC) hat als Grundlage ein gutes Messer und eine leistungsstarke Taschenlampe, wie etwa die Nextorch TA30. Für viele Messerträger ist ein klassisches Taschenmesser (Folder) die erste Wahl. Das kann man zusammengeklappt in der Hosentasche transportieren und es fällt sicherlich weniger im Alltag auf, als ein festehendes Gürtelmesser (Fixed).

Da viele EDC-Taschenmesser jedoch eine Einhandöffnung und eine Verriegelung (Lock) im geöffneten Zustand besitzen, fallen sie seit 2008 unter das Führverbot des §42a WaffG. Eigentlich ist der sozial adäquate Gebrauch weiterhin möglich. Jedoch liegt hier die Entscheidung erstmal bei der Polizei. Ist der sozial adäquate Gebrauch nicht gegeben, ist das Führen nicht erlaubt und es ist ein Ordnungsgeld fällig und natürlich wird das Messer auf Nimmerwiedersehen eingezogen.

Kleine feststehende Messer

Kleine feststehende Messer

Klar, es gibt auch Zweihandfolder, die zudem nicht verriegeln, sondern von einer Feder offen gehalten werden. Jedoch sind diese, eher klassischen Messer, nicht ganz so einfach und schnell zu öffnen. Auch die Rückenfeder ist deutlich weicher und die Klingenstärke weist sie eher als Schneidwerkzeug aus. Wenn ich mir da das Aufgabenspektrum eines EDC ansehen, das auch mal seitliche Beanspruchungen durch Hebel aushalten muss, kommen diese Messer schnell an ihre Grenze.

Viele Hersteller haben inzwischen den Trend zum Zweihandfolder erkannt und produzieren durchaus gute Ansätze für Taschenmesser, die problemlos geführt werden können. Exemplarisch nenne ich hier mal das Mike fortytwo von Pohl Force, das eine schnelle Öffnung für zwei Hände bietet und eine Rückenfeder mit ordentlicher Spannung. Insgesamt ist mir das Mike aber viel zu groß und klobig.

Eine fortytwo-Variante der Bravo-Serie könnte mir da besser gefallen. Dieses Messer wirbt zwar schon mit seiner Zweihandöffnung, die aber mit ein wenig Geschick schnell in eine Einhandöffnung verwandelt werden kann. Kennt der Polizist den Trick auch, ist das Messer aufgrund seines Back-Locks dann schnell weg. Hier nur anstatt des Back-Lock eine Feder eingebaut und das Messer wäre für mich perfekt.

Cold Steel Bird & Game mit Flex-Cord

Cold Steel Bird & Game mit Flex-Cord

Natürlich braucht man im EDC nicht unbedingt ein Taschenmesser. Ein feststehendes Messer bis zwölf Zentimeter Klingenlänge geht auch. Doch hier gibt es zwei Probleme. Viele feststehende Messer sind wahre Brocken und mit diesen am Gürtel fällt man oft auf. Auch kommt bei vielen Messern die Zweckbestimmung des Herstellers oder Messermachers zum Tragen. Trägt solch ein Messer beispielsweisen den Begriff „Tactical“ im Namen oder bewirbt der Hersteller das Messer als Kampf- oder Selbstverteidigungsmesser, macht die Zweckbestimmung solch ein Messer schnell zur Waffe und der Träger kommt auch hier in Erklärungsnot gegenüber den Ordnungsbehörden.

Doch was kann man dann gefahrlos als EDC nutzen? Ich bin inzwischen zu Outdoor- und Survival-Messern übergegangen. Auch die können recht klobig sein oder mit orangen Scheiden oder Griffschalen deutlich hervorstechen. So etwas ist natürlich im EDC kontraproduktiv.

ESEE Izula mit Gürtel-Clip

ESEE Izula mit Gürtel-Clip

Aber es gibt auch die kleinen feststehenden Messer, wie ein ESEE Izula, ein Ka-Bar Becker Escabar, Cold Steel Bird & Game oder ein Sascha Thiel Nexus um nur einige zu nennen. Auch viele Neckknives, die man sonst mit einer Kordel um den Hals trägt, sind durchaus für ein EDC nutzbar. Jedoch letztere von der Zweckbestimmung her nur eingeschränkt.

Persönlich empfinde ich auch ich die Trageweise um den Hals mit Schnur oder Kugelkette als suboptimal. Einerseits baumelt ein hohes Gewicht vom Hals herab. Je nach Bauart ist es gerade im Sommer unterm T-Shirt doch recht schnell erkennbar. Und andererseits muss man immer weit unter die Oberbekleidung mit der Hand greifen, um solch ein Messer ziehen zu können.

Daher trage ich meine kleinen Fixed eher horizontal vorne am Gürtel. Wenn die Möglichkeit besteht, weist der Messergriff leicht schräg nach oben. Auf diese Weise ist solch ein Messer nah an der vorderen Körpermitte und kann mit beiden Händen gezogen werden.

Ed Mahony Skywalk mit Schnurbefestigung

Ed Mahony Skywalk mit Schnurbefestigung

Insgesamt haben mich drei Tragevarianten des Cross-Draw überzeugt. Es gibt bestimmte Haken aus Kunststoff, mit denen man kleine Messer am Gürtel mit freier Winkelwahl fixieren kann. Mit ein Wenig Paracord wird das Messer an einer Gürtelschlaufe der Hose gesichert und in den Hosenbund gesteckt. Nach dem Ziehen des Messers, baumelt die Scheide an der Paracord am Bein herunter. Oder letztendlich ein schmaler Gürtelclip oder ein wenig Flex-Cord, die das Messer dort fixieren, wo es hin gehört.

Gerade wenn man Oberbekleidung über der Hose trägt, kann man ein Messer im Cross-Draw sehr gut verdecken. Privat trage ich Hemden, T-Shirts und Pullover immer über dem Hosenbund. Dadurch ist das Messer nicht sichtbar. Durch die schmale Bauform der oben genannten Messer, tragen sie auch nicht sonderlich auf und man muss schon genau hinschauen, um zu bemerken, dass da ein Messer im oder am Hosenbund steckt.

CRKT Civet mit Gürtelbefestigung

CRKT Civet mit Gürtelbefestigung

Der nicht zu verachtende Vorteil des Cross-Draw liegt in seiner Beidhändigkeit. Ich komme vorne mit beiden Händen an den Messergriff dran. Je nach Hand ziehe ich das Messer dann im normalen oder Reverse-Griff. In einer Selbstverteidigungssituation hat das den Vorteil, wenn eine Hand vom Gegner fixiert wird oder ein ausgestreckter Arm den Gegner auf Abstand hält, hat der Verteidiger immer noch die andere Hand frei, um das Messer zu ziehen und einzusetzen.

Cold Steel Bird & Game im normalen Griff

Cold Steel Bird & Game im normalen Griff

Das kann ein entscheidender Vorteil sein. Gerade wenn die schwächere Hand das Messer greifen muss, ist man aufgrund der Motorik oft schon beschränkt. Hier liegt der entscheidende Vorteil im feststehenden Messer: Es muss nicht geöffnet werden. Die schwächere Hand könnte das je nach Taschenmesser und Öffnungsmechanismus wahrscheinlich gar nicht leisten. Außerdem kommt man nur schwer mit der Hand an oder in die gegenüberliegende Hosentasche und könnte das Messer auch schwerlich ziehen.

Cold Steel Bird & Game im Reverse Griff

Cold Steel Bird & Game im Reverse Griff

Fazit
Du siehst, solch ein Fixed-EDC im Cross-Draw hat ungeahnte Vorteile und ist zudem noch verdeckt sehr gut tragbar. So kommt es dem Gray-Man-Concept sehr entgegen. Man will ja schließlich draußen nicht mehr auffallen, als unbedingt nötig.

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.