Gerber Octane

In der Ausgabe 3-2011 gab es meinen ersten Artikel im Messer Magazin zu lesen. Damalig habe ich mir das Multitool Gerber Octane ein wenig näher angesehen. Dies war der Beginn einer sehr fruchtbaren Mitarbeiter als freier Autor beim Wieland Verlag. Heute kann ich euch den ersten Artikel endlich auch im Blog präsentieren.

Es werden noch weiterer dieser Artikel in loser Folge erscheinen. Dabei werden auch Outdoor-Artikel aus dem Magazin GEAR mit von der Partie sein. Die Artikel werden aber in der von mir favorisierten Fassung hier veröffentlich und nicht diejenige, die meist aus Platzgründen in den Magazinen verkürzt wurden.

Viel Spaß

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Das Erste, was auffällt, ist die die fehlende Gürteltasche, die sonst bei einem Multi-Tool zum Lieferumfang gehört. Dafür besitzt das Gerber einen kräftigen Clip, mit dem man es am Hosenbund, dem Gürtel oder dem Taschenrand einer Jeans befestigen kann. Das funktioniert auch sehr zuverlässig und gut. Durch den kräftigen Clip ist ein Verlust fast ausgeschlossen. Der Clip ist so stark, dass es hin und wieder richtig Probleme gibt, das Tool an der Vordertasche meiner Jeans zu befestigen.

Beim Gerber Octane gibt es drei Werkzeuge, die man bedienen kann, ohne das Tool zu öffnen: die Zange mit Drahtschneider, den Kapselheber und die aufgesetzte Einhandklinge mit Sägezahnung.

Dabei fällt der Öffnungsmechanismus der Zange besonders auf! Hier muss man nicht, wie sonst bei Multi-Tools üblich, die beiden Metallgriffe auseinander klappen, um an die Zange zu kommen. Sondern die Zange wird über einem Schiebemechanismus aus dem Tool geschoben. Dabei muss man zwei Sicherungen drücken, die ein versehentliches Ausfahren der Zange verhindern sollen. Ist die Zange komplett aus dem Tool heraus geschoben worden, rasten dort die beiden Sicherungen zuverlässig ein und halten die Zange in Position.

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Durch die leicht geschwungenen Griffe besitzt die Zange eine super Handlage. Auch daher, dass die weiteren Funktionen des Tools auf der Innenseite der Griffe angebracht sind, kann man sehr viel Druck auf die Zange bringen, ohne dass die Griffe schmerzhaft in die Handflächen drücken.

Dafür muss aber die Zange auch zwingend ausgefahren werden, um die beiden Griffe des Tools öffnen zu können und so an die weiteren Funktionen zu gelangen. Neben drei Schraubendreher (2x Schlitz und 1x Kreuz) gibt es ein spezielles Werkzeug zum Öffnen von Klebebändern, Blisterverpackungen und Kartons.

Dieses Tool ist extrem pfiffig! Hat ma sonst immer Kartons mit einem Taschenmesser geöffnet und war das oftmals abträglich für die Klinge, geht das jetzt mit diesem kleinen Tool wunderbar einfach. Die nur wenige Millimeter lange Schneide hat genau die richtigen Maße, um die Verpackung zu öffnen und deren Inhalt nicht zu beschädigen.

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Alle innen liegenden Tools kann man sehr gut öffnen und sie sind mit einer Sicherung versehen, um nicht während des Gebrauchs zufällig einzuklappen. Die Sicherung ähnelt irgendwie einem Back-Lock am Taschenmesser und ist von Gerber patentiert worden. Löst man die Sicherung und bewegt man das Werkzeug zurück zum Griff, rastet es durch eine Feder ein.

Eine weitere Neuerung ist der Kapselheber. Die geschlossenen Griffe bilden hierbei die Hebelpunkte des Flaschenöffners. So muss man nicht umständlich ein Werkzeug suchen oder das Tool aufklappen, um eine Flasche zu öffnen. Da das fast immer zu viel Zeit beanspruchen würde, hat man meist irgend einen Gegenstand zweckentfremdet und dieser musste dann als Flaschenöffner herhalten. Ob nun Feuerzeug, Schraubendreher oder Tischkanten alles wurde genutzt, um den Kronkorken von der Flasche zu bekommen.

Die sieben Zentimeter lange Klinge weist eine Sägezahnung von anderthalb Zentimeter auf. Wie das übrige Tool ist auch die Klinge aus A440-Stahl. Dieser, auch als Chirurgenstahl bezeichnete, Stahl ist extrem rostresistent und kann sehr scharf geschliffen werden. Die Klinge kam dann auch wirklich haarscharf bei uns an an.

Im aufgeklappten Zustand wird die Klinge über einen Liner-Lock gesichert. Das ist für die Arbeiten mit dem Messer eine gute Idee. Seile, Kordeln oder Taue lassen sich sowohl mit der glatten Klinge, als auch mit der Sägezahnung sehr leicht durchschneiden. Auch die üblichen kleineren Outdoor-Arbeiten mit Holz, wie das Auffächern oder das Anspitzen eines Stockes, gehen gut von der Hand. Für gröbere Arbeiten ist es aber aufgrund seiner Bauform eher nicht geeignet.

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Fazit
Das Gerber Octane hat einen sehr guten Eindruck bei uns hinterlassen. Es beherbergt die nützlichsten Tools für den Alltag und für kleinere Trekkingtouren. Durch die gefrästen Führungen für den Schiebemechanismus der Zange ist das Gerber Octane mit 155 Gramm erstaunlich leicht und fällt so kaum auf, wenn man es dabei hat.

Durch die schnelle Erreichbarkeit von Klinge und Zange ist man im Alltag immer gut gewappnet, um schnell nötige Kleinarbeiten zu erledigen. Der Verpackungsöffner ist dabei besonders hilfreich, da man hier nicht mehr die Messerklinge nutzen muss.

Als EDC-Tool (EveryDayCarry) ist es hervorragend geeignet. Hier fehlt eigentlich nur noch ein Glasbrecher und es wäre schön, wenn so etwas bei einem kleinen Tool dabei wäre. Dann wäre man für den eventuellen Notfall gut gerüstet!

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Kurzurteil
Plus
gute Alltagstauglichkeit
neuartiger Verpackungsöffner
neuartiger Kapselheber
geringes Gewicht
Einhandklinge mit Sägezahnung
Minus
keine Gürteltasche

Daten und Fakten
Hersteller: Gerber
Modell: Octane
Herstellungsland: China
Gewicht: 155 Gramm
Länge geschlossen: 10,0 cm
Länge geöffnet: 14,0 cm
Klingenlänge: 6,8 cm
Material: Stahl rostfrei 440
Preis: 65,90 Euro
Musterstellung: Herbertz GmbH Messerclub, www.herbertz-messerclub.de
Aktuelle Bezugsquelle: www.amazon.de

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Hey!
    Danke für den Artikel! Das Gerber-Multitool hatte ich noch nicht auf dem Schirm. Ich persönlich bin ja echt begeistert vom SwissTool Spirit von Victorynox
    -> http://www.auf-tour.info/mobiler-helfer-swisstool-spirit-von-victorinox/
    Die Verarbeitung (da lege ich großen Wert drauf 😉 ) ist einfach erstklassig. Da wackelt nichts und alle „Werkzeuge“ rasten satt in ihre Sicherungen ein. Über Leathermans liest man da ja teilweise Negatives was die Verarbeitung angeht. So bin ich auch auf das Victorinox gekommen wobei auch der Preis des Tools Premium ist! 😉
    Mit 210g ist es allerdings etwas schwerer als das Gerber.
    Also ich werde öfters hier reinschauen! 🙂
    Grüße aus der Pfalz!

    nico

    Antworten

    • Ja. Das Vic-Tool ist schon klasse. Wie auch die berühmten Taschenmesser. Da kann das Gerber nicht wirklich mithalten. Dennoch hat es mich die letzten vier Jahre immer mal wieder begleitet und mich nicht im Stich gelassen. Auch die Leathermans sind da oft deutlich besser als Gerber.

      Das hat aber auch damit zu tun, dass in Amerika Gerber sehr oft im Blister im Supermarkt verkauft wird. Da reicht auch oft die Stahlkategorisierung als „Stainless Steel“ aus. Da ist Victorinos schon eine ganz andere Klasse!

      Viele Grüße
      Björn

      Antworten

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