Ich saß mit meinem Totem auf einem erhöhten Felsen und ließ den Blick über die Landschaft schweifen.
Wiesen, Wälder und Berge reichten bis zum Horizont. Dazwischen immer wieder türkisfarbene Seen, wie Augen in der Erde.
Dann bemerkte ich zwei Schatten auf einer Wiese.
Sie jagten sich. Mal der eine vorne, mal der andere. Ein ausgelassenes, freies Spiel.
Als sie näherkamen, erkannte ich sie.
Mein Schäferhund Arko – seit über zwanzig Jahren tot.
Und meine Aussie-Hündin Nelly – seit zehn Jahren nicht mehr an meiner Seite.
Sie schossen auf mich zu, tobten um mich herum, rempelten mich fast spielerisch an – nur um sich im nächsten Moment wieder gegenseitig zu jagen. Voller Freude. Voller Energie. Ohne Schwere.
Ich fragte mein Totem, was ich da sah.
Die Antwort war schlicht:
Hunde binden sich eng an ihren Menschen. Für sie ist ihr Mensch der Mittelpunkt der Welt. Stirbt ihr Körper, endet diese Bindung nicht. Sie bleiben. Sie wachen. Sie warten.
Sie bleiben so lange, bis auch ihr Mensch seinen Körper verlässt.
Auf dem Medizinplatz begegnen sich die Seelen wieder. Und von dort aus beginnen sie – jeder auf seine Weise – einen neuen Zyklus.
Für mich war dieses Bild zutiefst tröstlich.
Nicht als Beweis.
Nicht als Dogma.
Sondern als Gefühl.
Der Gedanke, dass diese Verbindung nicht einfach abreißt.
Dass Loyalität mehr ist als Biologie.
Dass Liebe vielleicht tatsächlich Spuren hinterlässt – auch jenseits des Sichtbaren.
Ich empfand große Dankbarkeit.
Und eine stille Freude darüber, dass ich noch immer mit meinen Hunden in Verbindung stehe.