Der Laden war voll, laut und stickig. Musik wummerte aus den Boxen, die Bässe ließen sogar die Gläser auf der Theke erzittern. Fox und ich drängten uns durch die Menge, vorbei an gröhlenden Gestalten und tanzenden Körpern. Zwischen Biergeruch, Schweiß und Parfüm waberte die Luft wie Nebel.
Am Kloeingang tauchte plötzlich Boris auf, grinste breit und zog uns mit sich. „Kommt, hinten ist frei!“
Er bugsierte uns an einen Tisch in der hintersten Ecke des großen Schankraums. Von hier aus hatte man alles im Blick – die Ein- und Ausgänge, die Toiletten, den Zugang zum Lager und die Theke, wo mehrere Bedienungen verzweifelt versuchten, das Bier so schnell zu zapfen, wie es verschwand.
Zu meiner Überraschung saß dort bereits Alex.
„Wenn ihr mir gesagt hättet, dass ihr hierher wollt, hätte ich euch mitgenommen“, meinte er trocken, während sein Blick zwischen uns hin und her wanderte. Noch immer lag dieses Misstrauen in seinen Augen – wie ein Schatten, der einfach nicht weichen wollte.

Der erste Tropfen Blut verändert alles.
Mike merkt schnell, dass die Grenze zwischen Mensch und Bestie dünner ist, als er je geglaubt hat.
Gejagt von Vampiren, umgeben von alten Mächten und mit einer Dunkelheit in sich, die jederzeit ausbrechen kann.
Keine Heldenreise.
Kein Schwarz und Weiß.
Nur die Frage: Wie weit gehst du, um zu überleben?
Die Moon-Chroniken – eine düstere Reise durch eine Welt, in der Monster real sind.
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Boris bemerkte die Spannung sofort. „Na, setzt euch!“, brüllte er, schob uns zwei Stühle hin, winkte der Bedienung und wedelte mit einem Hunderter. „Man muss nur wissen, wie’s läuft!“ Dann grinste er Fox an. „So, du alter Indianer – jetzt zeigen wir dir mal, was Krieger wirklich trinken!“
Kurz darauf stellte die Kellnerin vier Gläser auf den Tisch. Dunkler Schaum. Ich erkannte das Gebräu sofort und grinste.
„Das, Häuptling,“ erklärte Boris feierlich, „ist Odintrunk. Schwarzes Bier, gemischt mit Met. Himmlisch süß, höllisch stark. Nach vier, fünf halben Litern siehst du Walküren tanzen.“
Er lachte, stand auf und hob das Glas. „Auf Valhalla!“
Wir stießen an – vier Gläser, ein dumpfer Schlag, dann der erste Schluck. Schwer, süß, saftig ran es die Kehle hinunter.
Die Stimmung kippte. Das Misstrauen wich, Lachen trat an seine Stelle. Alte Geschichten kamen hoch – Anekdoten aus den Tagen, als wir noch Uniform trugen. Kameradschaft, Dreck, Blut, und dazwischen Momente, die uns am Leben hielten. Für einen Abend schien alles wieder so zu sein wie früher.
Alex lachte sogar. Ein ehrliches, freies Lachen. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das zuletzt gehört hatte. Der Met brannte angenehm warm in meinem Magen, und irgendwann musste ich dem Druck in meiner Blase nachgeben.
Ich bahnte mir den Weg zur Toilette, der Bass dröhnte dumpf hinter mir. Der enge Gang war nur von einer nackten Glühbirne erleuchtet, das Licht flackerte, als ich hinaustrat.
„Hallo, Fremder.“
Die Stimme ließ mich erstarren. So hatte mich zuletzt nur Kathrin genannt. Doch das war nicht ihre Stimme.
Aus dem Halbdunkel löste sich eine Gestalt – Sophie.
„Ach, Sophie. Hi. Du bist…“
Weiter kam ich nicht. Sie sprang mich an, presste ihren Körper an meinen, ihre Lippen trafen meine mit brutaler Wucht. Ihre Zunge drang in meinen Mund, gierig, unkontrolliert. Ihre Hände glitten über meine Brust, meinen Bauch, tiefer – überall gleichzeitig. Sie roch nach Honigwein und heißem Atem.
„Sophie!“, keuchte ich, versuchte, sie wegzudrücken. Doch sie hielt mich fest, drängte mich gegen die Wand. Ihre Bewegungen waren wild, verzweifelt.
„Sophie, nein!“ Ich packte sie an den Schultern, stemmte sie zurück.
Einen Moment sah sie mich an – glasige Augen, zitternde Lippen. „Ich… Mike… Ich dachte… Ich hab wohl zu viel getrunken. Sorry.“
Dann drehte sie sich um und lief den Gang hinunter, ohne sich noch einmal umzusehen.
Ich blieb stehen, den Rücken an der Wand, atmete tief. Das Adrenalin pumpte. Ihr Geruch hing noch in der Luft – süß und verführerisch, aber mit etwas Dunklem darunter. Etwas, das mich frösteln ließ.
Als ich zurück in den Schankraum kam, war sie verschwunden.
Boris lachte mit dem Kopf auf dem Tisch, Fox schwankte gefährlich und versuchte, seine Jacke zu finden. Wir mussten ihn zu dritt nach draußen bugsieren. Ein paar Odintrunk hatten den „alten Indianer“ endgültig gefällt.
Vor der Tür bestellten wir ein Taxi. Alex stützte Fox auf der einen Seite, ich auf der anderen. Als wir ihn hineingesetzt hatten, meinte Alex: „Ich hol euch morgen um zehn ab.“
Dann fiel die Tür zu, und das Taxi rollte los – mit Fox schnarchend auf der Rückbank und einer Frage, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging:
Was zum Teufel war da gerade mit Sophie passiert?
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