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Im Knast 

Alex, Fox und Mike besuchen Brigitte im Knast. Sie hat Informationen für sie.

In der Küche traf ich auf Fox. Sein Kopf hing über einer dampfenden Tasse Kaffee. Er sah aus, als hätte ihn jemand rückwärts durch einen Schleifstein gezogen.

„Guten Morgen, Sonnenschein“, trällerte ich.

Ein gequältes Stöhnen entfuhr ihm. „Was… habt ihr mit mir gemacht?“

„Das erste Mal Odintrunk ist immer eine bleibende Erfahrung. Aber du bist zäh. Das haut dich nicht um.“

Er stöhnte nochmal, diesmal deutlicher.

Draußen vor der Burg hielt ein Wagen. Alex. Er hatte Wort gehalten und holte uns ab.

Ich füllte mir schnell einen Kaffee in einen Stanley Thermobecher und scheuchte Fox hoch, damit er endlich in die Gänge kam.

Der erste Tropfen Blut verändert alles.

Mike merkt schnell, dass die Grenze zwischen Mensch und Bestie dünner ist, als er je geglaubt hat.
Gejagt von Vampiren, umgeben von alten Mächten und mit einer Dunkelheit in sich, die jederzeit ausbrechen kann.

Keine Heldenreise.
Kein Schwarz und Weiß.
Nur die Frage: Wie weit gehst du, um zu überleben?

Die Moon-Chroniken – eine düstere Reise durch eine Welt, in der Monster real sind.

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Als Alex Fox sah, grinste er nur. Sein Blick war wach – sein Misstrauen, das uns wochenlang begleitet hatte, war endlich weg. Wir begrüßten uns wieder wie Freunde, nicht wie „Bulle und Verdächtiger“.

Fox fiel sofort auf die Rückbank des dunklen BMW, schloss die Augen – und schlief bereits, als Alex den Motor startete, tief und fest.

Auf dem Weg erzählte ich Alex von meinem Termin bei Clara Neumann am Nachmittag. Da er außer Brigitte im Gefängnis nichts weiter vorhatte, bot er an, uns nach dem Knast direkt nach Nettersheim zu bringen. Vielleicht sogar vorher ein Mittagessen – bevor es zur Wissenschaftlerin ging.

Wir redeten viel über früher. Unsere Jugend in den Wäldern. Die Bundeswehrzeit. Kameraden, die wir verloren hatten.

Die Fahrt verging wie im Flug – bis sich der graue Betonkoloss des Gefängnisses vor uns aufbaute.

Er lag da wie ein gestrandeter Leviathan. Feuchte Mauern, gelbliche Lampen, deren Licht im Stacheldraht flackerte wie ein zitternder Stromschlag.

Alex parkte. Niemand sprach. Nur das Summen der Hochspannungsleitungen und das leise Knacken des abkühlenden Motors lagen in der Luft.

Ich stieg aus, zog den Kragen hoch. Ein eisiger Wind roch nach Metall und Desinfektionsmittel – als würde selbst der Atem hier gefiltert.

Fox wirkte inzwischen etwas wacher, auch wenn der Kater noch sichtbar in seinen Augen saß.

Am Eingang erwartete uns ein uniformierter Beamter. Keine Begrüßung. Nur ein Blick – kalt, prüfend – dann wies er uns in die Schleuse.

Das Tor fiel hinter uns ins Schloss, metallisch, brutal. Ich zuckte zusammen, der Hall kroch die Betonwände hinauf.

Wir mussten alles abgeben – Gürtel, Uhren, Handys. Alex seine Dienstpistole. Der Beamte kontrollierte jedes Detail mit übertriebener Gründlichkeit, als hoffte er, uns einen Fehler nachweisen zu können.

Dann folgte ein schmaler Gang, Neonlicht flackernd wie ein zweifelhafter Herzschlag. Der Linoleumboden verstärkte jeden unserer Schritte. Türen reihten sich aneinander – identisch, gesichtslos, wie die Zähne eines Raubtiers.

Die Luft wurde stickiger. Als würde jeder Atemzug durch alte Matratzen gefiltert.

Der Wärter blieb an einer Tür stehen. Ein Schlüsselbund klirrte – ein Klang, der wie eine Warnung wirkte.

Das Schloss klickte. Kaltes Licht fiel in einen kleinen Verhörraum.

Ein grauer Tisch. Stühle. Kein Fenster. Nur ein summender Lüftungsschacht, der aussah, als hätte er seit Jahrzehnten nichts gefiltert.

Die Tür fiel hinter uns ins Schloss. Dumpf. Endgültig.

Kurz darauf öffnete sie sich erneut: Brigitte wurde hereingeführt, ihr Anwalt im Schlepptau.

Brigitte sah schlimm aus. Abgemagert. Ausgezehrt. Die Augen ruhelos.

Ihr Anwalt hingegen wirkte gut genährt, pausbäckig, perfekt frisiert – ein wandelnder Kontrast.

Wir setzten uns. Alle starrten Brigitte an. Sie sammelte sich. Dann sah sie mich an.

„Hallo, Mike.“ Ihre Stimme war rau. „Ich habe ein paar Informationen für dich. Es geht um Kathrin.“

Ich nickte nur. Nicht zu früh anspringen. Unter dem Tisch spürte ich Alex’ Tritt: Lass sie reden.

„Na gut.“ Sie rieb sich die Schläfen. „Sie lebte in einer Stadtvilla in Wuppertal, bevor sie Madame Claire traf. Die Villa gehörte wohl dem Grafen. Sie durfte dort wohnen, solange sie studierte.“

Ich sah zu Alex. Er zuckte mit den Schultern.

„Hast du eine Adresse?“

„Nein. Irgendwo im Briller Viertel. Wir haben uns dort getroffen, bevor ich Madame Claire kennenlernte.“

Alex schaltete sich ein: „Du warst da. Also kennst du die Adresse.“

Ihr Blick wurde schneidend. „Dein Navi kennt sie. Du solltest nicht jedem deinen Wagen leihen, den du fickst.“

Alex wurde rot – wütend oder beschämt, schwer zu sagen.

Er wandte sich dem Anwalt zu. „Was will Ihre Mandantin im Gegenzug?“

„Bessere Haftbedingungen. Sie können sich vorstellen, wie man hier auf ehemalige Polizisten reagiert.“

Alex bot ihr eine Einzelzelle und einen anderen Haftrakt an – ohne Schwerkriminelle.

Nach kurzer Beratung nickte sie. Der Deal stand.

Dann erzählte Brigitte von ihrem Treffen mit Kathrin. Viel war es nicht. Eine zweite Person war anwesend gewesen – unsichtbar, aber spürbar. Und ein Leihwagen stand vor der Villa. Später fand sie heraus, dass er von meinem Vater gemietet war.

Es ergab Sinn. Mein Vater und Kathrin hatten lange gegen uns agiert.

Der Rest war ein Bewerbungsgespräch. Beide Seiten prüften sich. Am Ende floss Geld. Viel Geld.

Fox pfiff anerkennend durch die Lippen.

Weitere Treffen gab es kaum. Sie verkehrten über Umwege, Codes und Strohmänner.

Nur einmal traf sie Kathrin wieder – blindfolded, in einem Lieferwagen durch die Gegend kutschiert.

SEK-Truppführer Benno war ihr Kontaktmann. Misstrauisch, kalt, kontrollierend.

Er war überzeugt, dass Brigitte nur Geld wollte – und damit lag er nicht falsch.

Wir zogen Brigitte noch ein paar Informationsfetzen aus der Nase – nicht viel, aber ein paar neue Mosaiksteine.

Am interessantesten blieb die Villa in Wuppertal.

Schon wieder Wuppertal. Schon wieder kam mir diese Warnung des Werwolfs in den Sinn.

Das konnte kein Zufall mehr sein.

Als wir den Betonmoloch endlich verließen, atmeten wir alle auf. Die Wolken rissen auf, erste Sonnenstrahlen fielen auf den Parkplatz.

Ein dunkler Jaguar rollte heran und hupte.

Gabriel.

Er sprang aus dem Wagen, stolz auf sein neues Anwaltsgefährt, und begrüßte uns überschwänglich.

Unser Vater hatte ihn herbestellt – Männertrakt, Besuchszimmer.

Ob ich mitkommen wollte, fragte er.

Ich hätte Nein sagen sollen.

Aber Gabriels Blick verriet Panik. Er wollte ihm nicht allein gegenüberstehen.

Alex und Fox blieben am Auto.

Also ließ ich mich zum zweiten Mal am Tag von Uniformierten filzen.

Der Verhörraum war fast derselbe wie der gerade verlassene – nur noch kälter.

Als mein Vater hereingeführt wurde, blieb er kurz stehen, überrascht. Dann setzte er sich, ohne ein Wort zu verlieren. Kein Anwalt.

„Dein Anwalt fehlt“, bemerkte Gabriel.

Vater lächelte dünn. „Ich bin mein eigener Anwalt.“

Stille. Lange Stille.

Gabriel wurde nervös. Ich nahm ihm den Einsatz ab.

„Wie bist du an Benno geraten?“

Er blinzelte, lauernd. „Benno?“

„Der SEK-Typ. Die Bestie, deren Herz ich gefressen habe.“

Er kicherte. „Die Bestie bist jetzt du.“

„Keine Spielchen, alter Mann. Du willst etwas von Gabriel. Also sprich.“

Er lehnte sich zurück, grinste. „Ja, ich will was. Ich möchte mein Testament machen. Krebs. Metastasen. Ich werde bald bei meiner geliebten Frau sein.“ Der Blick, den er mir zuwarf, war pures Gift.

„Dafür brauchst du doch einen Anwalt“, sagte ich.

„Gabriel und Sophie kennen meine Besitzverhältnisse besser.“

Ich erstarrte.

Sophie?

Schon wieder.

Nach letzter Nacht?

Warum erwähnte er sie plötzlich? Sonst war sie für ihn doch nur Luft gewesen. Eine Angestellte. Austauschbar. 

Ich ignorierte den Köder.

„Gut. Aber vorher beantwortest du meine Fragen.“

„Und wenn nicht?“

„Dann hauen wir ab. Sofort. Deine Spielchen kotzen mich an. Ich hoffe wirklich, ich bin nicht dein Sohn – dann hat Mama wenigstens einmal einen anständigen Mann gehabt.“

Er sprang auf, Wut im Blick, doch der Wärter drückte ihn zurück in den Stuhl.

„Na los, Arschloch“, knurrte er. „Frag.“

„Benno?“

„Ich kannte ihn. Gericht. Ein Freund stellte uns vor. Wir lagen auf einer Wellenlänge.“

„Auf der Nazi-Wellenlänge?“

Er zuckte mit den Schultern.

„Name des Freundes?“

„Keine Ahnung.“

„Die Villa in Wuppertal – kennst du sie?“

„Ja. Alter Stützpunkt des Bundes. Um 1900 Dreh- und Angelpunkt. Erst als der Führer dran war, sind sie abgezogen.“

„Adresse?“

„Katernberger Straße 180.“

„Warst du oft dort?“

„Mit Sophie ein- oder zweimal.“

Sophie. Schon wieder.

Etwas stimmte hier nicht.

Als ich endlich aus meinen Gedanken auftauchte, war mein Vater bereits abgeführt.

Gabriel stand auf, bleich.

Wir verließen schweigend den Raum.

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