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Alex besucht Mike und Fox und ist auf Konfrontationskurs. Wird Ihre Freundschaft das aushalten?

Als ich die Tür öffnete, stand Alex davor. Einen Moment lang musterte er mich mit diesem prüfenden Blick, den ich nur zu gut kannte. Dann nickte er knapp. In seinen Augen lag Misstrauen.

„Komm rein“, sagte ich und trat zur Seite.

Er schloss die Tür hinter sich, während Fox aus dem Nebenraum trat. Wortlos deutete ich in Richtung Küche. Ich schenkte uns drei große Tassen Kaffee ein, der bitter roch und nach altem Blech schmeckte.

Ein paar Minuten herrschte Schweigen. Nur das Ticken der Uhr war zu hören. Dann brach ich die Stille.

„Lass es raus.“

Die Worte waren an Alex gerichtet. Er sog hörbar Luft ein und fixierte mich mit kaltem Blick.

„Das muss aufhören!“ platzte es aus ihm heraus.

„Denkst du, ich will das?“

„Nein! Aber hier passiert zu viel. Die Gegend steht unter Beobachtung. Die Leute sind nervös. Und du – du ziehst den Ärger an. Verdammt, Mike! Die Leiche von gestern geht im Grunde auf dein Konto.“

Wut stieg in mir auf, heiß und vertraut. Ich wollte aufspringen, mich verteidigen, da legte Fox mir ruhig eine Hand auf den Arm.

„Alex, du übertreibst“, sagte er mit dieser ruhigen Stimme, die fast alles entschärfen konnte. „Ja, es war unruhig in letzter Zeit. Aber wir haben Mikes Verwandlungen im Griff. Dass dieser Werwolf, der auf ihn angesetzt war, einen Unschuldigen zerreißt – das konnte niemand wissen. Und das weißt du auch.“

Alex lehnte sich zurück, atmete tief durch und schwieg. Schließlich nickte er langsam.

„Vielleicht“, murmelte er. „Aber versetz dich mal in meine Lage: Im Winter der Junge am Teufelsloch, dann die Angriffe bei Gabriel, der Mord an dem Grafen und seiner ganzen Familie, das Gefecht um den alten Bunker … Und jetzt wieder ein Toter im Wald. Ein Werwolf, der hier herumschleicht. Das fällt auf!“

„Ich glaube, der ist weg“, sagte ich leise.

„Mag sein. Aber was ist mit dir?“ Alex’ Stimme wurde wieder lauter. „Du hast dich nicht im Griff, egal wie sehr Fox auf dich aufpasst! Egal, ob ihr da unten im Keller ein Verließ für dich habt. Du hast gesehen, wie schnell du ausrastest! Du bist eine Gefahr für alle hier. Vielleicht sollte man dich wirklich einsperren – für immer!“

Er war aufgesprungen, der Stuhl krachte polternd auf die Fliesen. Für einen Moment stand er einfach nur da, keuchend, als hätte er sich selbst erschrocken. Dann hob er den Stuhl wieder auf und setzte sich schwer atmend.

„Sorry“, murmelte er.

Ich sah ihn lange an. „Du bekommst Druck von oben?“

Er nickte und starrte in seine Tasse. „Ja, Mann.“

„Deine Chefs?“

„Nicht nur.“

„Wer noch?“

„Britta hat mich angerufen.“

Bei ihrem Namen zuckte etwas in mir.

„Sie warnte mich. Sagte, du würdest beobachtet – nicht nur von Menschen, sondern auch von anderen. Hexen, Vampire, was weiß ich. Ihre Mutter kann angeblich ein Tribunal einberufen. Wenn das passiert, richten die über dich. Und das kann auch … dein Ende bedeuten.“

Fox hob die Augenbraue. „Todesstrafe gibt’s in Deutschland nicht.“

„Sie meinte kein staatliches Gericht“, erwiderte Alex. „Ein Tribunal der Magischen. Die urteilen über Wesen, die außer Kontrolle geraten. Und, verdammt, Mike, du bist kurz davor.“

Ich atmete tief durch. „Wenn ich mich also zusammenreiße, passiert nichts. Richtig?“

Alex wich meinem Blick aus. „Leider nicht ganz. Die Vampirgemeinschaft hat einen Antrag auf Auslieferung gestellt – wegen der Tötung von Madame Claire.“

Ich erstarrte.

„Das Tribunal hat’s zwar abgelehnt, weil die Vampire selbst Dreck am Stecken hatten, aber die warten nur auf deinen nächsten Fehler.“

Eine beklemmende Stille breitete sich aus.

Vampire.

Ich hatte es ja schon geahnt. Nach allem, was passiert war – Werwölfe, Runen, Wolfssohn – warum sollte es nicht auch die geben?

„Warum ruft Britta dich an und nicht mich?“ fragte ich schließlich.

Alex sah mich prüfend an. „Sie braucht Abstand. Ich glaube, sie fühlt noch was für dich, aber das darf keiner wissen. Ihre Mutter ist Teil des Tribunals, eine weiße Hexe. Zu viel Nähe zu dir könnte ihrer ganzen Gemeinschaft schaden. Und ich glaube nicht, dass sie bereit ist, für dich alles aufzugeben.“

Ich schwieg.

„Und da ist noch was“, fügte Alex hinzu.

„Was denn?“

„Ihre Schwester im Gefängnis. Sie will reden – mit uns. Angeblich hat sie Informationen, die uns betreffen. Vielleicht nur, um ihre Haftbedingungen zu verbessern, vielleicht auch mehr. Ich habe für morgen früh einen Termin organisiert.“

Ich sah zu Fox. Er nickte kaum merklich. Natürlich würden wir hingehen.

Alex stand auf. „Ich muss los. Und Mike – pass auf dich auf.“

Nachdem er gegangen war, blieb ich einen Moment sitzen.

„Haben wir ihn verloren?“ fragte ich.

Fox schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn er dich wirklich aufgegeben hätte, wäre er nicht hier gewesen. Ihr seid seit eurer Kindheit Freunde. Das hält mehr aus, als du denkst.“

Ich nickte. Draußen schimmerte der Abend in bleichem Licht durch die Bäume.

„Ich bin noch nicht müde“, sagte ich schließlich. „Zu viel geschlafen. Komm, wir trinken ein Bier im Dorf.“

Fox grinste. „Gute Idee.“

Wir machten uns auf den Weg. Der Pfad durch den Wald lag im Zwielicht, und irgendwo in der Ferne heulte ein Hund – oder etwas anderes.

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