Der Besitz von Schusswaffen ist in Deutschland streng reglementiert, und nicht jeder kommt ohne Weiteres an diese heran. Eine Alternative bieten jedoch die klassischen Pfeilbeschleuniger: Bogen und Armbrust. Was sich wozu eignet, habe ich mir einmal näher angeschaut.

Neben dem Wurfholz, der Schleuder, dem Speer und der Atlatl ist der Bogen sicherlich eine der ältesten Fernwaffen der Menschheit. Überreste von Pfeilspitzen reichen fast 64.000 Jahre zurück. Das älteste bekannte Fundstück eines Bogens ist rund 17.000 Jahre alt. Anfangs zur Jagd eingesetzt, um fleischliche Nahrung auf den Speiseplan der Jäger und Sammler zu bringen, wurde der Bogen später auch als Fernwaffe im Krieg genutzt.

Über Jahrtausende hinweg wurde der Bogen als Waffe optimiert und an die jeweilige Kriegsführung angepasst. Der Nutzung waren kaum Grenzen gesetzt. Ob vom Kampfwagen, vom Pferd oder als Fußsoldat – Bögen wurden sowohl von angreifenden Armeen als auch von Verteidigern von Mauern, Befestigungen oder im Straßenkampf eingesetzt.

Seine letzte große Blüte im Kriegseinsatz erlebte der Bogen mit dem englischen Langbogen, der im Mittelalter den französischen Armeen das Fürchten lehrte. Hier wurden Bögen fast wie Artillerie eingesetzt, um selbst gepanzerte Ritter zu bekämpfen.

Im weiteren Verlauf der Geschichte verdrängte zunächst die Armbrust und ab dem 17. Jahrhundert schließlich die Muskete den Bogen zunehmend vom Schlachtfeld. In den Indianerkriegen in Amerika unterlag der Bogen Ende des 19. Jahrhunderts den modernen Feuerwaffen endgültig.

Komplett verschwunden war er jedoch nie. Neue Werkstoffe und Ingenieurskunst machten auch vor Bögen und Armbrüsten nicht halt, und gerade als Jagdwaffen sind sie bis heute beliebt. Ende des 20. Jahrhunderts wurde sogar eine neue Leistungsklasse entwickelt.
Durch ein Rollensystem an den Wurfarmen wird die Sehne geführt und bildet im Prinzip einen Flaschenzug. Der Vorteil: Das Zuggewicht des Bogens muss nur einmal vollständig mit Muskelkraft überwunden werden. Im Vollauszug hält der Schütze dann nur noch rund zwanzig Prozent des Zuggewichtes. Das sorgt für einen deutlich ruhigeren Schuss, bei dem durch das Rollensystem wesentlich effizienter Energie auf den Pfeil übertragen wird als bei anderen Bogenklassen.

Zudem kann ein Compoundbogen mit einem Visier ausgerüstet werden. Durch den ruhigeren Schuss sind wiederholbare Treffer auf 50 bis 100 Meter durchaus möglich, während der klassische Bogen eine Einsatzreichweite von etwa 25 Metern hat. Geübte Schützen können diese Distanz allerdings deutlich erweitern.
Compound-Wurfarme finden sich heute sowohl an Bögen als auch an Armbrüsten. Sie führten zu einem massiven Leistungsschub bei Pfeilbeschleunigern und sind daher insbesondere im jagdlichen Bereich sehr beliebt.
Bogen oder Armbrust

Die waffenrechtliche Situation von Bogen und Armbrust in Deutschland ist im Vergleich zu Schusswaffen relativ einfach. Es ist weder eine Eignung noch ein Bedürfnis nachzuweisen, und auch der Erwerb ist weitgehend frei von Restriktionen. Im Grunde kann jeder Erwachsene in Deutschland einen Bogen oder eine Armbrust erwerben.
Der große Unterschied liegt in der waffenrechtlichen Einordnung beider Systeme. Der Bogen gilt laut Waffengesetz als Sportgerät, während die Armbrust den Schusswaffen gleichgestellt ist. Dennoch kann auch sie frei ab einem Alter von 18 Jahren erworben werden. Das Handling ist jedoch nicht ganz so unkompliziert wie beim Bogen. Eine Armbrust darf nur auf bestimmten Schießständen geschossen werden, die dies ausdrücklich erlauben – und deren Anzahl ist in Deutschland eher überschaubar.

Für den Bogen ergeben sich dagegen deutlich mehr Nutzungsmöglichkeiten als Sportgerät. Nicht umsonst ist Bogenschießen eine olympische Disziplin. In den letzten Jahren hat zudem das jagdliche 3D-Bogenschießen stark an Popularität gewonnen. Dabei wird auf einem Parcours auf dreidimensionale Ziele geschossen. Im deutschsprachigen Raum gibt es entsprechend viele Möglichkeiten, das Bogenschießen auszuüben und zu erlernen.
Der Bogen erweist sich jedoch als deutlich übungsintensiver als eine Armbrust. Armbrüste lassen sich über Kimme und Korn schießen, ähnlich wie Pistolen oder Gewehre. Moderne Varianten sind häufig mit Rail-Systemen ausgestattet und können mit unterschiedlichen Visieren und Zieloptiken bestückt werden. Mit vergleichsweise wenig Übung ist der Umgang erlernbar, was gerade den Einstieg erleichtert.

Ein weiterer Vorteil der Armbrust ist die Arretierung der Sehne im gespannten Zustand. Damit ähnelt sie klassischen Schusswaffen: Einmal gespannt und mit einem Pfeil geladen, bleibt die Energie gespeichert, bis sie ausgelöst wird. Beim Bogen hingegen muss die Sehne permanent mit Muskelkraft im Auszug gehalten werden, bis der Schuss erfolgt. Deshalb muss das Zuggewicht des Bogens sorgfältig auf den Schützen abgestimmt werden. Erst nach einem längeren Trainingszeitraum kann über eine Steigerung der Zugkraft nachgedacht werden.
Trotzdem ist selbst ein schwacher Bogen kein Spielzeug. Auch geringe Zuggewichte können in Kombination mit geeigneten Pfeilspitzen zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führen. In der Regel besitzt ein Bogen deutlich längere Wurfarme als eine Armbrust. Der Beschleunigungsweg des Pfeils ist dadurch länger als der des Bolzens einer Armbrust. So kann mehr Energie im Pfeil gespeichert werden, was zu größeren Schussentfernungen und einer höheren Eindringtiefe im Ziel führt.
Eine weitere Modernisierung der Armbrust hat erst in den letzten Jahren Einzug gehalten. Die deutlich kleineren Pistolenarmbrüste wurden zunehmend taktischer. Anfangs erhielten sie Magazine, die von oben bis zu sechs Bolzen zuführten. Über Repetiersysteme wurden sie schnellschussfähig. Die Magazine mussten entweder von Hand oder mit einem Speedloader geladen werden.

Inzwischen gibt es auch Armbrüste mit Wechselmagazinen. Die Zufuhr der Pfeile erfolgt dabei von oben oder von unten, Kapazitäten von bis zu 16 Pfeilen sind möglich. Einige Magazine sind in ihrer Größe kompatibel zu Sturmgewehrmagazinen und können entsprechend in denselben Magazintaschen transportiert werden. Dadurch ergeben sich zahlreiche taktische Möglichkeiten für diese kleine Armbrustklasse.

Auch diese Systeme sind mit vielfältigen Rail-Systemen ausgestattet und lassen sich umfangreich ausrüsten. Von Lampen über Laser bis hin zu Visieren ist die Bandbreite groß. Entsprechend steigt ihre Beliebtheit, und durch das einfache Handling stellen sie im Bereich taktischer Szenarien und der Heimverteidigung für Menschen ohne waffenrechtliche Erlaubnis eine Option im taktischen Bogenschießen dar.