In der vergangenen Woche wurde die Diskussion um die deutsche Flagge erneut lauter. Auslöser war ein öffentliches Statement des Vorsitzenden der Grünen Jugend, Luis Bobga. Nach dem WM-Aus Deutschlands forderte er die Fans auf, ihre „Scheiß-Deutschlandflaggen“ abzuhängen.
Diese Aussage sorgte für deutliche Kritik. Auch ich empfand sie als zutiefst beleidigend.
Aber warum eigentlich?
Mich persönlich kann eine solche Aussage kaum beleidigen. Als Bürger dieses Landes, der sich mit Deutschland und seinen Werten identifiziert, sieht das allerdings anders aus.
Das hat für mich nichts mit Nationalismus zu tun, den ich ausdrücklich ablehne. Ich halte Deutsche weder für bessere Menschen noch Deutschland für anderen Nationen überlegen. Viel eher würde ich mich als Patrioten bezeichnen.
Und auch dieser Begriff wird heute oft missverstanden. Patriotismus bedeutet für mich nicht Überlegenheit oder Ausgrenzung, sondern die Verbundenheit mit dem eigenen Land und den Werten, auf denen es gegründet ist. Deshalb haben Patriotismus und die deutsche Flagge in meinen Augen nichts mit Nationalismus oder Rechtsextremismus zu tun.
Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte von Schwarz-Rot-Gold.
1813
Das Lützower Freikorps kämpft als Freiwilligenverband gegen die napoleonische Besatzung. Seine Uniformen sind schwarz, mit roten Aufschlägen und goldfarbenen Messingknöpfen. Freiwillige aus unterschiedlichen deutschen Staaten und aus allen Bevölkerungsschichten schließen sich ihm an.
1815 bis 1848
Studenten, Burschenschaften und liberale Bürgerbewegungen übernehmen Schwarz-Rot-Gold als Symbol für Einheit, Freiheit und nationale Selbstbestimmung.
1848
Während der Revolution von 1848 wird Schwarz-Rot-Gold zur Fahne der deutschen Demokratie- und Freiheitsbewegung. Sie steht für Forderungen nach einer Verfassung, Gleichheit vor dem Gesetz, Pressefreiheit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit – Werte, die bis heute zu den Grundlagen unseres demokratischen Staates gehören.
1919
Die Weimarer Republik übernimmt Schwarz-Rot-Gold als Staatsflagge und knüpft damit bewusst an die demokratischen Traditionen der Revolution von 1848 an.
1949
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wird Schwarz-Rot-Gold erneut zur Nationalflagge. Sie steht seitdem für unser Grundgesetz, die freiheitlich-demokratische Grundordnung sowie für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Achtung der Menschenwürde.
Gerade deshalb halte ich es für wichtig, diese Geschichte nicht zu vergessen. Wenn demokratische Symbole von extremen Gruppen vereinnahmt werden sollen, dann ist das kein Grund, sie aufzugeben. Im Gegenteil: Sie gehören allen Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes.
Für mich steht die deutsche Flagge deshalb für weit mehr als nur den Staat Deutschland. Sie erinnert an den Wunsch nach Freiheit, an den Einsatz für Bürgerrechte, an die Einheit unseres Landes und an die Werte unseres Grundgesetzes.
Deshalb trage ich die deutsche Flagge gerade jetzt wieder häufiger als Patch an Jacke, Rucksack oder Cap. Nicht, weil ich mich anderen überlegen fühle, sondern weil sie für Werte steht, die mir wichtig sind: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und die Würde jedes Menschen.
Genau dafür steht Schwarz-Rot-Gold für mich.