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Die Kraft des Waldes

Wenn wir im Wald ruhig werden, fühlen wir wieder die eigene Kraft.

Gestern habe ich zum ersten Mal wirklich gespürt, was es für mich bedeutet, wenn ich sage: Der Wald gibt mir Kraft.

Dabei meine ich keine geheimnisvolle Energie, die von den Bäumen auf mich übergeht. Vielleicht ist es sogar genau andersherum:

Der Wald gibt mir nicht unbedingt Kraft. Er hört einfach auf, sie mir zu nehmen.

Wenn ich auf meinem Sitzplatz im Wald bin, werde ich ruhiger. Ich lasse die Entspannung zu. Gedanken, die vorher durch meinen Kopf gerast sind, werden langsamer. Dinge, die eben noch unglaublich wichtig erschienen, verlieren plötzlich ihre Bedeutung.

Dann stehen da diese Bäume.

Unspektakulär. Unaufgeregt.

Sie müssen niemandem zeigen, wie großartig sie sind. Sie müssen nicht erzählen, was sie gestern geleistet haben. Sie vergleichen sich nicht mit dem Baum neben ihnen und brauchen keine Anerkennung dafür, dass sie heute wieder aufrecht stehen.

Sie sind einfach da.

Wie anders ist dagegen unsere menschliche Welt. Wir laufen von einem Spektakel zum nächsten. Wir sollen leisten, funktionieren, reagieren und uns präsentieren. Und möglichst sollen auch noch alle anderen sehen, wie erfolgreich, stark oder glücklich wir dabei sind.

Was für eine ungeheure Verschwendung von Kraft.

Im Wald fällt vieles davon weg. Ein Baum erwartet nichts von mir. Er bewertet mich nicht. Ich muss ihm nichts beweisen.

Und irgendwann wird es stiller im Kopf.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Kraft des Waldes. Er schenkt mir keine neue Energie. Er schafft einen Raum, in dem ich aufhören kann, meine vorhandene Energie ständig zu verbrauchen.

Denn Stärke bedeutet nicht zwangsläufig, gegen jeden Widerstand anzukämpfen.

Manchmal bedeutet Stärke einfach, stehenzubleiben.

Wie ein Baum.

Verwurzelt. Still. Unaufgeregt.

Und wenn der Geist endlich zur Ruhe kommt, wird plötzlich die Kraft wieder spürbar, die die ganze Zeit in uns gewesen ist.