Seit Monaten sitze ich dort und beobachte die Natur. Der umgestürzte Stamm gibt mir einen Sitzplatz, den ich immer wieder aufsuche und an dem ich gerne bin.

Anfangs hielt ich den Baum für tot, da seine Krone im Sommer keine Blätter mehr trug. Aber mit ein wenig Aufmerksamkeit bemerkt man, dass dem nicht so ist.
Die Wurzeln strecken sich nur zur Hälfte in den Himmel. Der Rest ist weiterhin fest im Boden verankert. So bekommt der Baum noch immer Wasser und Nährstoffe.

Dass in ihm weiterhin Leben steckt, zeigt er auf seine ganz eigene Weise. Zarte Triebe wachsen aus dem liegenden Stamm langsam in die Höhe und treiben das eine oder andere Blatt aus.
Das erinnert mich an den Sinnspruch: Wenn wir fallen, rappeln wir uns wieder auf.

Doch eigentlich erzählt mir diese Eiche noch etwas anderes.
Sie kann ihren Stamm nicht wieder aufrichten. Sie wird nie wieder so dastehen wie früher. Und trotzdem wächst sie weiter.

Ihre Zweige übernehmen das, was der Stamm nicht mehr kann. Sie richten sich nach oben und suchen ihren eigenen Weg zum Licht.
Daran erinnert mich die Eiche jedes Mal, wenn ich auf ihr sitze:

Man muss nicht wieder der Alte werden, um weiterzuwachsen.