Fox’ Hand schnellte an den Colt.
„Steck die weg!“, knurrte der Fremde.
Er war riesig, Muskeln wie Eisen, der Schädel blank, die Haut voller Narben – und völlig nackt.
„Das Huhn hat nach Angst gestunken. Konnte mich nicht halten. Eigentlich wollte ich den Kerl nicht töten, aber er stand im Weg. Als er dann rannte, haben die Instinkte übernommen.“ Seine Stimme war tief, voll Gier. „Lange nicht mehr verwandelt. Und jetzt steh ich hier, nur um dich zu begutachten. Du bist unrein. Keiner von uns – aber du stinkst nach uns. Wie die Hexe damals. Gut, dass du sie zerfetzt hast. Hab gehört, es war ein Massaker.“ Er lachte kalt. „Aber damit hast du dir einen mächtigen Feind geholt. Wenn der loslegt, wirst du zerfetzt wie ein Kaninchen.“
„Was redest du da?“, fauchte ich.
„Du hast seine Muse genommen. Kein Rudel schützt dich. Der Clan der Blutsauger wird dich bei lebendigem Leib zerreißen. Mein Rudelführer wollte, dass ich dich einschätze – ich hab’s getan. Du bist nichts. Ein unreines Schwarzmal. Kein Kämpfer. Kein Welpe. Nur Fleisch, das schreit, wenn man es zerreißt.“
„Dann zerreiß mich doch!“, knurrte ich.
Er spuckte Blut und Speichel vor meine Füße. „Bleib aus Wuppertal. Oder die Stadt frisst dich.“
Da brach alles in mir. Wut riss mich auseinander. Ein Schrei, der Knochen spalten konnte, füllte den Wald.
Meine Rippen knackten, stachen durch die Haut. Blut spritzte aus den offenen Wunden, während Knochen sich neu ordneten. Sehnen spannten, rissen, vernarbten in Sekunden. Klauen bohrten sich aus meinen Fingern, tropften sofort rot, als das eigene Fleisch aufplatzte. Meine Schnauze wuchs heraus, Zähne rissen das Zahnfleisch blutig auf, Blut und Speichel quollen mir aus dem Maul.
Vor mir verwandelte sich der Fremde – doch bei ihm war es ein Tanz. Haut platzte, Fell spross hervor, aber ohne Qual, ohne Knochenbrechen. Als wäre er dafür gemacht. Seine Augen glühten blutrot.
Wir prallten aufeinander.
Krallen schlitzten Haut, rissen Fleischfetzen heraus. Sein Gebiss bohrte sich in meine Schulter, Zähne knackten durch Knochen, warmes Blut spritzte in Fontänen. Ich brüllte, riss meine Krallen in seinen Brustkorb. Rippen brachen, Fleisch riss auf, Blut sprudelte. Er heulte, schäumte vor Wut – überrascht, dass ich zurückschlug.
Doch er war größer. Stärker. Seine Faust hämmerte mir das Auge halb aus der Höhle, mein Schädel dröhnte. Ein weiterer Schlag brach mir fast den Arm, Knochen knackten hörbar. Blut spritzte aus jeder Wunde, tropfte schwer in den Dreck.
Dann packte er meine Kehle. Seine Krallen rissen die Haut auf, schnitten tiefe Furchen. Warmes Blut quoll heraus, floss über seine Finger. Er hob mich hoch, brüllte, und schleuderte mich wie ein blutiges Stück Fleisch durch den Wald.
Ich krachte auf den Boden. Rippen bohrten sich in meine Lunge, Blut lief mir aus dem Maul, ich röchelte. Kaum Luft. Kaum Kraft. Er kam näher, seine Krallen bereit, mir die Kehle endgültig aufzuschlitzen.
Dann stand Moon zwischen uns. Sie knurrte, das Fell gesträubt, die Zähne gebleckt.
Der Riese hielt inne, sog die Luft ein. Sein Blick flackerte. Er ließ von mir ab, die Glut in seinen Augen glomm dunkler. Mit einem Mal war er wieder Mensch – blutüberströmt, das eigene Fleisch aufgerissen, Narben frisch.
„Dein kleiner Wolf hat dir das Leben gerettet“, keuchte er. „Vielleicht hab ich dich unterschätzt. Aber meine Warnung bleibt: Halte dich fern von Wuppertal. Dort findest du nur Tod. Und wenn du weiter so ausrastest, hinterlässt du eine Blutspur, die die ganz Großen weckt – und die reißen dich in Stücke.“
Dann sprang er. Noch in der Luft überzog ihn Fell, die Knochen flossen zusammen, ohne Schmerz, ohne Splittern. Im nächsten Atemzug war er Wolf, ein Schatten aus Zähnen und Blut, der in den Wald schoss und verschwand.
Moon drängte sich an mich, ihr Fell nass von meinem Blut. Ich wollte sie halten – doch die Finsternis riss mich mit.
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