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Erwachen

Nun kommt mit einem Tag Verspätung endlich das letzte Kapitel von „Der Fluch des Hexenjägers“.

Langsam öffnete ich die Augen. Ich lag im Bett, in einem Krankenzimmer, und ein kaum wahrnehmbarer Geruch von Desinfektionsmittel stieg mir in die Nase. Mein Kopf dröhnte. Ich blickte mich um, mein Blick glitt über die weißen Wände. Da sah ich ihn: Fox, zusammengesunken auf einem Stuhl, ein leises Schnarchen drang aus seinem Mund. Er saß Wache. Und Britta. Sie saß ebenfalls da, ihr Blick auf mich gerichtet. Als sie sah, dass ich wach war, zauberte sich ein Lächeln auf ihr Gesicht.

„Na, Schlafmütze“, flüsterte sie.

Ich wollte etwas erwidern, aber aus meiner Kehle kam nur ein heiseres Krächzen. Sie hob beschwörend eine Hand. Langsam führte sie ein Glas Wasser an meine Lippen. Ich trank gierig. Doch bevor ich meinen Durst stillen konnte, nahm sie das Glas wieder weg und stellte es auf den Nachttisch.

„Langsam. Du warst ein paar Tage lang nicht bei uns, mein Freund.“

In diesem Moment erwachte auch Fox. Ein breites Grinsen erhellte sein Gesicht. „Hey, Bruder. Wieder unter den Lebenden?“

Ich lächelte gequält.

„Willst du wissen, was passiert ist?“ fragte er.

Ich nickte.

„Nachdem du die Hexe zerfetzt und fast aufgefressen hast“, begann Fox, seine Stimme ungewöhnlich ernst, „hat Gabriel auf deinen Vater geschossen. Dein Vater ist jetzt im Knast und wartet auf seine Verhandlung wegen Mordes. Brigitte hat überlebt. Alex hat sie vom Felsen aus zwar erwischt, aber er hat es nicht über sich gebracht, sie zu töten. Auch sie wurde verhaftet. Alle anderen bösen Jungs sind tot. Die Hexe im Sarg haben wir verbrannt. Danach haben Boris, Dieter und Sophie den Bunker in die Luft gejagt. Da steht kein Stein mehr auf dem anderen. Und seitdem sitze ich hier und warte, dass du endlich aufwachst.“

„Was… was ist mit der Bestie in mir?“, presste ich hervor.

In diesem Moment schaltete sich Britta wieder ein, ihr Ton wurde schärfer.

„Eine gute Frage“, sagte sie, ihre Augen funkelten. „Du hast ein dunkles Mal. Die Bestie ist wohl mit dir verwachsen. Wie sich das auswirkt, kann ich dir nicht sagen. Allein wegen des Mals bist du von nun an eigentlich mein Feind. Aber sei erst mal unbesorgt. Ich werde das mit dem Mal für mich behalten. Du musst aber Vorkehrungen treffen, wenn die Kreatur wieder aus dir hervorbricht. Eine Verwandlung und Tote, die deinen Weg pflastern, und du kannst dein Dasein unter dem Radar vergessen. Danach wird man dich jagen und zur Strecke bringen.“

Sie sah mich mit einem schwachen, fast traurigen Lächeln an.

„Was ist mit uns?“, fragte ich leise.

„Uns? Wir hatten Sex. Es war schön. Keine Frage. Interpretiere da aber nicht zu viel hinein! Jetzt, wo es dir wieder gut geht und die Hexe tot ist, ist meine Aufgabe hier vorbei. Ich werde zu meinem Zirkel zurückkehren. Wenn hier alles gut läuft, werden wir weiterhin Freunde bleiben.“

„Nur Freunde?“

„Mal sehen“, sagte sie. Ein schneller, fast flüchtiger Kuss auf meinen Mund. Dann sprang sie auf und verschwand aus dem Zimmer.

Fox blickte mich kopfschüttelnd an.

„Das mit der Auswahl der richtigen Frau sollte ich dir auch noch beibringen“, sagte er.

„Sagt der Indianer-Single“, krächzte ich.

„Ah. Dein Humor ist also noch da“, grinste er. „Und bevor ich es vergesse: Muss ich dich jetzt auch Graf nennen?“

„Was?“

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