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Naturspiritualität – einfach anfangen

Ich weiß noch nicht genau, wohin mich dieser Weg führen wird. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig. Im Moment fühlt es sich entscheidender an, überhaupt loszugehen.

Wenn ich von Naturspiritualität spreche, meine ich nichts Abgehobenes. Keine komplizierten Rituale und kein spirituelles System, das man erst jahrelang studieren muss.

Für mich beginnt Naturspiritualität viel einfacher:

Ich gehe hinaus. Ich suche mir einen Platz. Ich werde still. Ich nehme wahr.

Mein langer Umweg

Die Beschäftigung mit spirituellen Wegen ist für mich nicht neu. Vor knapp dreißig Jahren fand ich während einer einfachen Visionssuche mein Krafttier. Dieses Erlebnis hat mich lange begleitet.

Danach beschäftigte ich mich immer wieder mit schamanischen Traditionen, Krafttieren, spirituellen Reisen und dem Medizinrad. Doch vieles blieb für mich schwer zugänglich.

Unterschiedliche Traditionen, moderne Deutungen und esoterische Vorstellungen wurden häufig miteinander vermischt. Ich hatte das Gefühl, zuerst ein umfangreiches System verstehen zu müssen, bevor ich überhaupt anfangen konnte.

Das war mir zu kompliziert und oft zu weit von meinem Alltag entfernt.

Die Sehnsucht nach einer tieferen Verbindung zur Natur blieb jedoch bestehen.

Vom Schamanismus zur Naturspiritualität

In den letzten Monaten habe ich mich erneut mit den Lehren von Tom Brown Jr. beschäftigt. In der Kojote-Akademie hat gerade der Kurs Geist der Wildnis 2 begonnen. Dabei veränderte sich mein Blick auf meinen eigenen Weg.

Ich würde heute nicht mehr unbedingt sagen, dass ich einen schamanischen Weg gehe. Der Begriff ist für mich zu groß und mit zu vielen kulturellen und religiösen Vorstellungen verbunden.

Naturspiritualität beschreibt besser, wonach ich suche.

Es geht mir nicht darum, eine fremde Tradition zu übernehmen. Mein Weg beginnt in der Natur, die mich tatsächlich umgibt: im Wald vor meiner Haustür, auf meinen täglichen Wegen und bei den Tieren und Pflanzen, denen ich dort begegne.

Naturspiritualität bedeutet für mich, wieder eine Beziehung zur natürlichen Welt aufzubauen.

Der Sitzplatz als Anfang

Bei meiner Beschäftigung mit Tom Brown Jr. stellte ich mir irgendwann eine einfache Frage:

Was davon ist wirklich wesentlich?

Für mich lautet die Antwort inzwischen: der Sitzplatz.

Ein Sitzplatz ist zunächst einfach ein Ort in der Natur, den man regelmäßig besucht. Er muss nicht spektakulär oder besonders abgelegen sein.

Man setzt sich hin und bleibt eine Weile dort.

Das klingt banal. Doch wir sind es kaum noch gewohnt, einfach irgendwo zu sitzen, ohne ein Ziel zu verfolgen. Selbst draußen wollen wir häufig eine Strecke schaffen, Schritte zählen, fotografieren oder etwas erleben.

Am Sitzplatz geht es zunächst nur darum, anwesend zu sein.

Welche Geräusche sind zu hören?

Woher kommt der Wind?

Welche Vögel bewegen sich in den Bäumen?

Wie verändert sich der Ort, wenn man zwanzig Minuten still bleibt?

Die Natur wird dadurch nicht automatisch spektakulärer. Aber die eigene Wahrnehmung verändert sich.

Die Sinne öffnen

Ich versuche am Sitzplatz nicht, sofort etwas Spirituelles zu erleben. Ich beginne bei dem, was tatsächlich da ist.

Ich höre, sehe und rieche. Ich spüre den Boden unter mir und den Wind auf der Haut. Mein Blick wird weiter und weicher. Ich nehme Bewegungen am Rand meines Blickfeldes und Geräusche hinter mir wahr.

Im Alltag wird unsere Wahrnehmung oft sehr eng. Wir schauen auf Bildschirme, Aufgabenlisten und Probleme. Die Welt um uns herum dringt kaum noch zu uns durch.

Am Sitzplatz darf sich diese Enge langsam lösen.

Zu meiner Praxis gehört auch eine einfache Dankbarkeitsrunde. Dabei geht es nicht darum, Schwierigkeiten schönzureden. Ich richte meine Aufmerksamkeit vielmehr auf das, was mich trotz allem trägt: den Wald, meinen Hund Loki, hilfreiche Menschen oder die Möglichkeit, an diesem Morgen draußen zu sein.

Kein fertiger Weg

Ich schreibe diesen Artikel nicht als Lehrer. Ich stehe selbst noch am Anfang.

Gerade deshalb möchte ich zeigen, dass Naturspiritualität keinen komplizierten Einstieg braucht.

Man muss nicht zuerst zahlreiche Bücher lesen, Seminare besuchen oder besondere Fähigkeiten entwickeln.

Der erste Schritt kann sehr klein sein:

Geh hinaus. Suche dir einen Platz, an dem du dich wohlfühlst. Setze dich für zwanzig Minuten hin. Lass das Smartphone in der Tasche und nimm wahr, was um dich herum geschieht.

Versuche nicht, etwas Besonderes daraus zu machen.

Vielleicht beginnt Naturspiritualität genau dort: in dem Moment, in dem wir aufhören, nach einem großen Geheimnis zu suchen, und wieder bemerken, was die ganze Zeit um uns herum gewesen ist.