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Verwandlung

Mike hat sich Sareth ausgeliefert, um Sophie zu retten.

Der Turm öffnete sich nicht einfach.

Er spaltete sich wie Fleisch, das auseinandergezogen wird – lautlos, nasskalt. Ein Schwall Finsternis drang heraus, als hätte die Tiefe selbst ausgeatmet.

Ich stand still da. Eigentlich wollte ich den Turm betreten. Aber etwas hielt mich davon ab. Langsam kroch Angst in mir hoch. Tief aus den Eingeweiden wand sie sich empor. Mir wurde schlecht.

Hatte ich den schlimmsten Fehler meines Lebens gemacht?

Dann leuchteten zwei rote Augen auf.

Wie die Vampire draußen vor dem Tor – nur diesmal blickten sie direkt in meine.

Bohrend.

Stechend.

Lauernd.

Langsam schälte sich eine Gestalt aus der Finsternis.

Schritt für Schritt trat sie hervor, und dann endlich ins Mondlicht – roter, fließender Stoff, schwer, samtig, satt wie geronnenes Blut.

Sophie.

Nicht nackt. Nicht gefesselt.

Sondern gekleidet wie eine Königin eines verdorbenen Hofes.

Ein dunkelrotes Kleid umspielte ihre Hüften, der Stoff schimmerte wie lebendige Seide. Um ihren Oberkörper schmiegte sich eine rote Corsage, schwarz bestickt am Dekolleté, als hätte jemand Dornenranken hineingenäht. Ihre Schultern waren nackt, bleich wie Marmor unter Mondlicht. Das Dekolleté gab viel preis – und war verdammt sexy.

Zum ersten Mal nahm ich Sophie wirklich als Frau wahr.

Nicht als nerdiges Girl oder zugeknöpfte Sekretärin.

Unsere Blicke trafen sich.

Ihr Blick ruhte in meinem.

Nicht leer.

Nicht tot.

Wach.

Glühend vor Hunger.

Lodernd wie Feuer.

Sie lächelte.

Langsam.

Ein Lächeln, das nichts mehr mit dem Mädchen aus der Kneipe zu tun hatte.

Oder mit dem Nerd im Bunker.

Oder der Frau im Hosenanzug.

Es war das Lächeln einer Jägerin.

Gierig musterte sie mich.

Etwas Warmes stieg in meiner Kehle hoch.

Galle.

Mir wurde richtig schlecht.

Ich hatte versagt.

Hatte sie in die Fänge dieses Monsters getrieben.

Konnte sie nicht retten.

Sophie machte einen Schritt auf mich zu, und der Rock ihres Kleides rauschte wie fließendes Blut über Stein. Ihre Pupillen verengten sich. Ihr Kopf neigte sich leicht. Sie betrachtete mich wie ein Forscher ein Insekt betrachtet.

„Mike…“

Ihre Stimme war Honig.

Verführerisch.

Verdammt gefährlich.

Ihre Zunge strich über ihre spitzen Eckzähne.

Langsam.

Genüsslich.

Dann schnupperte sie in der Luft vor mir.

Sie roch mich.

Der Hunger in ihrem Gesicht war echt.

Eine Hand legte sich auf ihre Hüfte.

Sareth.

Elegant, kalt wie polierter Stein, stand er plötzlich hinter ihr – als hätte er sich aus ihrem Schatten geschält. Er presste sich nicht aufdringlich an sie… sondern mit reinem Besitzanspruch.

„Langsam, meine Schöne“, sagte er sanft, als würde er ein wildes Tier zähmen.

„Er ist nicht für dich. Erstmal. Ich brauche ihn noch. Danach kannst du ihn vielleicht haben.“

Sophie zuckte – kein Schmerz. Unwillen. Fast Wut.

Sie wollte mich.

Jetzt.

Blutwarm.

Lebendig.

Fleisch an Zähnen.

Sareths Hand glitt höher, über ihre Taille, unter die roten Falten des Kleides, und Sophie entspannte sich minimal.

Wie ein Raubtier, das lernt, nicht zu früh zuzubeißen.

„Sie lernt schnell“, murmelte er, beugte sich an ihr Ohr. „Sehr schnell. Ich bin stolz auf sie.“

Sophie lächelte erneut.

Und dieses Mal war es schlimmer.

Hungrig.

Bestialisch.

Fast irre.

Was hatte er aus ihr gemacht?

Panik fraß sich durch mein Inneres.

Ich wollte weglaufen.

Wie ein Kind unter die Bettdecke kriechen.

Wenn das Monster mich nicht sehen würde, wäre ich vielleicht sicher.

Sareth betrachtete mich nun direkt.

Er genoss meine Angst.

Das pure, uneingeschränkte Vergnügen, mich leiden zu sehen.

„Siehst du, Michael…“

Seine Stimme wurde weich wie Seide auf nackter Haut.

„…sie ist nicht gebrochen.“

Er griff unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu mir.

„Sie ist frei.“

Sophie öffnete den Mund und hauchte einen Atemzug in meine Richtung – warm, süß, gefährlich. Ich roch die Spur von Blut darin.

„Du riechst wunderbar“, flüsterte sie.

Ihr Blick glitt auf meine Halsschlagader.

„Ich erinnere mich… aber nur an deinen Geschmack.“

Sareths Hand lag leicht auf ihrer Hüfte.

„Sie gehört jetzt zur Nacht“, sagte er.

Ich wich zurück.

Die Freude, die über Sareths Gesicht glitt, war die reinste Form von Sadismus.

Ich konnte das alles nicht fassen.

Etwas zerbrach in mir.

Es ging kaputt.

Das Urvertrauen, dass alles gut wird, wenn man es nur will.

Meine ganze Energie verpuffte.

Mein Kampfgeist verschwand.

Ich sank auf die Knie.

„Ah… da bricht er.“

Ein sanftes, fast anrührendes Flüstern.

„Wie schön.“

Sophie lachte leise.

Kalt.

Ein Klang, der Menschen tief im Herzen erfrieren lässt.

Sareth beugte sich zu mir – so nah, dass ich seinen Atem eher spürte als hörte.

„Willkommen in deiner neuen Realität, Michael.“

Ein Hauch eines Lächelns.

„Du bist zu spät. Viel zu spät.“

Sophie schmiegte sich an ihn.

Er hielt sie wie eine Trophäe.

Wie ein Meisterwerk.

Wie seine Schöpfung.

Ich hatte versagt.

War geschlagen.

Hatte keine Kraft mehr.

Wollte nicht mehr kämpfen.

Die Müdigkeit zog an mir, schwer wie Fels.

Der Aufschlag meines Körpers auf den Boden – ich bemerkte ihn nicht einmal mehr.

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