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Der dunkle Turm 

Mike wartet am dunklen Turm auf Gareth. Er will sich für Sophie opfern.

Ich stand auf einem kleinen Wanderparkplatz. Von hier war es nicht mehr weit bis zu dem Ort, den Sareth genannt hatte. Ich kannte den Weg. Kannte den Geruch des Waldes, die Stille der Hügel. Nur ein paar hundert Meter entfernt lag die Villa, in der ich Kathrin und Madame Claire zum ersten Mal getroffen hatte – bevor sie sie niedergebrannt hatten.

Und hier thronte der Von-der-Heydt-Turm. Sareths neuer Sitz. Sein Revier. Der Ort, an dem ich Sophie aus seinen Fängen holen wollte.

Ich war allein. Zum ersten Mal seit Monaten wirklich allein. Kein Fox, der mir «Raum» ließ und mich doch im Blick behielt. Keine nervösen Blicke, die fürchteten, die Bestie könnte ausbrechen. Nur ich – und eine Entscheidung, die alle erschütterte.

Nachdem der Bildschirm schwarz geworden war, waren sie in hektischen Aktionismus verfallen: Pläne, Einwürfe, Gegenargumente, laute Stimmen. Und ich selbst war plötzlich völlig ruhig. Radomirs Blick traf meinen. Er verstand. Ein knappes Nicken reichte.

Ich hob die Hände und beendete das Chaos.

„Je länger wir warten, desto mehr Zeit hat Sareth, Sophie Dinge anzutun, die wir uns nicht vorstellen wollen. Ich warte nicht. Ich gehe jetzt.“

Fox nickte schweigend. Boris und Gabriel ebenfalls.

Nur Alex explodierte.

„Das ist Wahnsinn, Mike! Pure Scheiße ist das! Welche Garantie hast du, dass er Sophie überhaupt freilässt? Vielleicht behält er einfach beide als Druckmittel und—“

Radomir wollte ihn beruhigen, doch das heizte Alexander nur weiter auf. Für einen Moment dachte ich, er würde Radomir anspringen. Wir mussten ihn festhalten.

Schließlich blieb nur seine Stimme zurück – rau, voller Angst.

„Welche Garantie hast du?“

Ich schüttelte den Kopf. „Keine.“

„Verdammt, Mike. Das ist ein Himmelfahrtskommando. Wir können euch nicht schützen.“

„Ich weiß. Und trotzdem ist es der einzige Weg. Sareth will etwas von mir. Wir erfahren nur was, wenn ich hingehe. Und während ich weg bin – hör auf Radomir.“

Das schmeckte ihm überhaupt nicht. Wir hielten den Blick, wie Radomir und ich es schon getan hatten. Diesmal gab Alex nach.

Gabriel schickte die Nachricht. Die Antwort kam sofort: Sonnenuntergang. Beim Von-der Heydt-Turm. Allein.

Die Verabschiedung war schwer. Ihre Blicke fühlten sich an wie das Urteil eines Schafotts. Ich gab Boris und Dieter letzte Anweisungen – Waffen organisieren, improvisieren, alles, was gegen Vampire wirken könnte. Dieter sprudelte vor Ideen, aber nichts davon war schnell genug umzusetzen. Ich drängte trotzdem.

Fox und Radomir begleiteten mich noch bis zum Tor. Wir umarmten uns. Ich bat Fox, so viel Kraft wie möglich in seine Kugeln zu legen. Er nickte hart.

Dann ging ich.

Der Turm ragte schwarz und stumm in den purpurnen Rest des Himmels. Ich war zu früh. Ein runder Platz umgab ihn, eingerahmt vom Wald. Unterhalb des Berges lag der alte Ehrenfriedhof – ein stiller, vergessener Ort.

Ich setzte mich im Schneidersitz vor den Turm, atmete tief und ließ mich hinübergleiten.

Die andere Seite empfing mich sofort.

Moon stand dort. In ihrer menschlichen Gestalt. Und sie hatte Angst.

„Ich bin bereit zu kämpfen“, sagte sie. „Auch wenn es aussichtslos ist.“

„Nein“, antwortete ich weich. „Das ist nicht deine Aufgabe.“

Sie verstand nicht, also erklärte ich es ihr.

„Sareth wird mich einsperren. Sedieren. Irgendwohin bringen, wo die Bestie keine Gefahr ist. Ich brauche dich als Spion. Wenn ich schlafe, löst du dich manchmal von mir – ich habe das gespürt. Tu das jetzt bewusst. Geh. Finde heraus, wohin sie mich bringen. Und ich werde versuchen, mit Einar Kontakt aufzunehmen.“

Moon trat näher, umarmte mich. Ich fühlte ihre Stärke. Genau die, die ich brauchte.

Als ich die Augen wieder öffnete, war die Sonne verschwunden. Vom Friedhof wälzte sich unnatürlicher Nebel herauf, kroch den Hang hinauf, umschlang den Turm wie kalte Finger. Zwischen mir und dem Eingang blieb eine freie Bahn – zu frei.

Dann sah ich die Schatten. Schwarze Körper glitten durch den Nebel, huschten über den Boden, stiegen in die Luft. Sie umkreisten mich, schlossen einen Korridor zur Tür.

Vampire. Ihre roten Augen brannten. Ihr Fauchen vibrierte in den Knochen.

Ein metallisches Kratzen.

Ein Riegel, der zurückglitt.

Die Tür öffnete sich – ein dunkles, schluckendes Loch.

Und ich stand auf. Bereit Sareth zu treffen.

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