Kategorien
Fiction Lesbares Publikationen Roman Schreiben Short-Story

Nachricht aus Wuppertal

Fox und Mike kommen dem Rudelführer Radomir näher. Er warnt Sie vor den neuen Feinden.

Dann erzählte ich Radomir von den Träumen, die mich seit Tagen begleiteten, und er wurde sofort aufmerksam.

„Das ist Wolfssohn, von dem du träumst. Also lebt er.“ Er lehnte sich vor. „Ich kenne das. Er hat früher oft so mit mir kommuniziert. Jetzt macht er das mit Dir.

„Bist du deswegen enttäuscht?“, fragte Fox.

Radomir schüttelte den Kopf. „Nicht wirklich. Wir sind im Zorn auseinandergegangen. Vor über hundert Jahren. Er sieht etwas in Mike. Gerade dieser Schildwall-Traum macht deutlich, dass er dich für die Reinkarnation seines Waffenbruders hält. Er will dich schützen. Besonders vor der Bestie, die in dir schlummert. Darum die Eiszeichen.“

„Ich weiß aber nicht, wie ich sie einsetzen soll“, entgegnete ich.

Clara hob die Hand. „Da kann ich helfen. Wir könnten gemeinsam ein Medaillon oder einen Talisman fertigen, der dich vor einer ungewollten Verwandlung schützt. Das war doch auch einer deiner Gründe, warum du zu mir wolltest, oder?“

Ich nickte.

Radomir stand auf. „Ich hole etwas zu trinken.“

In diesem Moment vibrierte mein Smartphone. Gabriel hatte eine Videodatei geschickt. Ich holte mein iPad mini aus dem MOAB und übertrug das Video per AirDrop.

Dann gab ich Fox ein Zeichen. Er hatte sich eben noch mit Clara verquatscht, aber jetzt drehten beide die Köpfe. Ich stellte das Tablet so auf den Tisch, dass alle das Display sehen konnten, und startete das Video.

Eine große Stadtvilla erschien, mit einem kleinen Turm und klassizistischen Elementen aus dem frühen 19. Jahrhundert. Grauer Naturstein, nur über dem Eingang durch ein Fachwerkband unterbrochen. Zwei Etagen, doch das Gebäude wirkte mächtig – hohe Decken, spitze Dächer, das volle Programm. Die Kamera schwenkte über eine gepflegte Parkanlage, eingefasst von einer hohen Hecke. Vor der Haustür lag eine gekieste Fläche, groß genug für fünf Autos. Gabriels Wagen wirkte darin beinahe verloren.

Der nächste Abschnitt zeigte die Eingangshalle: breite Treppe, holzgetäfelte Wände, sauber polierter Steinboden. Das Haus wurde eindeutig regelmäßig gepflegt. Danach folgten Speisesaal, Arbeitszimmer, Salon, Küche – und eine Bibliothek. Die Kamera zoomte auf die Regale, und ich erkannte sofort eine Menge okkulter Schriften. Eine Sammlung, die der geheimen Bibliothek in unserer Burg erstaunlich ähnelte. Unsere war nach dem Feuergefecht fast vollständig zerstört worden; mehrere Handgranaten hatten die meisten Bände zerfetzt.

Die Aufnahme wechselte in die obere Etage. Schlafzimmer, Gästezimmer, ein weiterer Flur, schließlich der Speicher – leer, unspektakulär.

In diesem Moment kam Radomir zurück und stellte mehrere Bierflaschen ab. Auf dem Bildschirm erschien Gabriel und sprach in die Kamera:

„Hi, Mike. Wir sind gut angekommen. Das Haus ist echt imposant. Es gibt eine Reinigungsfrau und eine Köchin, die regelmäßig nach dem Rechten sehen. In den Unterlagen meines Vaters fanden wir sogar Verträge mit ihnen. Wir können uns das Hotel vermutlich sparen – die Zimmer sind hergerichtet und alles ist tipptopp. Wir schauen uns jetzt nach Hinweisen zu Kathrin um. Bis dann.“

Der Bildschirm wurde schwarz.

„Ist das die Villa des Bundes in Wuppertal?“, fragte Radomir.

Ich nickte.

Er schoss sofort hoch. „Dein Bruder ist in Gefahr. Das Haus wird von Sareth beobachtet. Und alle magischen Siegel dort sind zerstört. Sareth und seine Brut können ein- und ausgehen, wie sie wollen. Dein Bruder sitzt praktisch auf dem Präsentierteller.“

Scheiße.

Ich rief Gabriel an. Er ging schnell ran. Ich erzählte ihm, was Radomir gesagt hatte, und drängte ihn, mit Sophie im Hotel zu bleiben. Ich versprach, für Schutz zu sorgen.

Dann rief ich Boris an. Begeistert klang er nicht, aber die Lage war ernst. Er versprach, sofort mit Dieter loszufahren und Personenschutz zu übernehmen.

Als Nächstes rief ich Alex an. Er sagte ohne Zögern eine Streife zu, die das Haus überwachen sollte, bis Boris da war.

Auch Fox hatte inzwischen telefoniert. „Ich war nicht so schnell wie du“, meinte er, „aber ich habe ein paar Freunde, die uns im Notfall unterstützen.“

Die erste Rückmeldung kam von Alex: Die Streife hatte Gabriel und Sophie wohlbehalten angetroffen und sie zum Hotel eskortiert. Von Boris kam kurz darauf eine Textnachricht: Er und Dieter seien vor Ort und hätten die Polizei abgelöst.

Es war inzwischen spät geworden. Radomir führte uns zu den Gästezimmern. Ich war so fertig, dass ich mich angezogen aufs Bett fallen ließ und sofort einschlief.

Du willst mich finanziell unterstützen? Dann kauf eins meiner Bücher auf Amazon