Manchmal schafft es der Alltag, mich Stück für Stück von meiner Spiritualität zu entfernen.
Zu viele To-dos, ein hohes Arbeitspensum im Hauptberuf und in der Selbstständigkeit, dazu die langen Runden mit Loki. Das alles kostet Zeit, Energie und Aufmerksamkeit. Am Ende des Tages bleibt oft kaum noch etwas übrig.
Der Blick nach innen wird auf morgen verschoben, weil einfach die Kraft fehlt. Und wenn ich mich dann doch hinsetze oder hinlege, schlafe ich oft schon nach wenigen Atemzügen ein.
Eigentlich reagiert mein Körper dabei völlig logisch. Nach einem langen Arbeitstag sucht er sich genau den Zustand, der die Erschöpfung ausgleicht: Schlaf.
Auch die Meditation am Morgen gelingt deshalb nicht immer. Bin ich noch schlaftrunken, döse ich sofort wieder weg. Dann kommt Loki, möchte nach draußen, und kurz darauf sitze ich schon wieder am Schreibtisch und bin mitten im Arbeitstag.
Auf Dauer belastet mich genau diese fehlende Spiritualität. Oft behandle ich sie wie einen weiteren Punkt auf meiner To-do-Liste. Und wenn ich ihn nicht abhaken kann, setzt mich das zusätzlich unter Druck. Ein ziemlich perfider Teufelskreis.
Daraus auszubrechen ist nicht leicht – aber möglich.
Ich suche heute bewusst nach kleinen Zeitinseln. Keine Stunde Meditation, keine aufwendigen Rituale. Einfach Momente, in denen ich wieder aufmerksam werde und den Blick nach innen richte.
Manchmal bedeutet das, morgens eine halbe Stunde früher aufzustehen und nach der Hunderunde nicht sofort an den Rechner zu gehen. Stattdessen sitze ich mit einem heißen Pott Kaffee am Tagebuch, lasse den Blick durch den Garten schweifen und beobachte, wie der Tag langsam erwacht.
Oder ich gehe nach der Arbeit mit Loki tief in den Wald, bleibe einfach stehen und nehme wahr, was gerade da ist. Ich suche mir einen Platz, setze mich hin und bleibe einfach sitzen. Fünf Minuten. Zehn Minuten. Vielleicht auch zwanzig. Ohne etwas erreichen zu müssen.
Und am Abend versuche ich, den Tag nicht wieder mit neuen Aufgaben zu füllen. Nicht bis spät in die Nacht fernsehen oder zocken, sondern früher den Stecker ziehen. Noch einmal bewusst still werden, bevor der Tag endet.
Vielleicht liegt genau darin der Fehler, den viele von uns machen. Spiritualität ist kein weiterer Task, den man möglichst effizient erledigen muss. Sie beginnt oft genau dann, wenn wir für einen Moment aufhören, etwas erledigen zu wollen.
So holen wir uns im hektischen Alltag unsere Spiritualität Stück für Stück zurück.