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Die Macht des Rudels

Die erste Nacht unter Werwölfen und Mike träumt einen rätselhaften Traum.

Ich lief durch die Nacht. Schnee knisterte unter meinen Pfoten. Meine Sinne waren weit offen – jede Spur, jeder Atemhauch eines Tieres drang zu mir. Doch all das war nur Hintergrundrauschen. Ich jagte etwas anderes.

Etwas Dunkles.

Ich erklomm einen Berg. Auf dem Gipfel blieb ich stehen. Unter mir lag ein weites Tal, ertränkt in Schatten. Ein Wald spannte sich wie ein schwarzer Teppich bis zu der Anhöhe gegenüber – dort thronte eine Burg, finster, stumm, lauernd.

Dorthin zog es mich.

Ich musste hin.

Am Rand des Waldes blieb ich stehen. Da spürte ich sie. Erst wie ein Druck im Wind. Dann wie ein Schlag in meine Brust.

Gefahr.

Glühende Augen tauchten auf. Rot, pulsierend. Erst wenige – dann Dutzende.

Dann sah ich Fänge.

Weiße Haut.

Vampire. Männer und Frauen, bleich wie Knochen, die lautlos über den Schnee jagten.

Und ich war allein.

Ein Stich aus Angst fuhr mir durch die Adern. Nicht vor dem Tod – sondern vor der Übermacht. Vor dem Wissen, dass selbst ein Berserkerwolf irgendwann fällt.

In mir regte sich etwas. Ein Loch. Eine uralte Einsamkeit. Der Wunsch nach dem Rudel. Nach Gemeinschaft.

Wo waren meine Brüder?

Ohne sie war ich nichts.

Ich warf den Kopf in den Nacken und heulte. Lang, einsam, zitternd vor Angst. Die Lautstärke flackerte mit meiner Panik. Dann brach mir die Stimme weg.

Ich wartete.

Nichts.

Nur die Vampire, die inne hielten und mich musterten.

Sie warteten ebenfalls.

Warteten auf die Antwort, die nicht kam.

Als die Stille sich nicht füllte, fauchten sie – ein Chor aus Hunderten Kehlen – und schlossen den Kreis. Schritt für Schritt.

Ein Ring aus Zähnen.

Ein Kessel aus Tod.

Ich wusste: Einen, vielleicht zwei würde ich zerreißen. Aber das war alles. Danach war ich dran.

Ich war schon verloren.

Allein. Ohne Brüder. Ohne Rudel.

Ich knurrte tief – es sollte drohend klingen, klang aber eher verzweifelt. Die Vampire lachten nur.

Der Kreis wurde enger.

Nur noch Schritte entfernt.

Ich heulte erneut. Ein letzter, hoffnungsloser Ruf.

Stille.

Nichts.

Ein Winseln entfuhr mir. Ich spürte, wie die Panik meine Lungen packte. Wie das Wissen, gleich zerrissen zu werden, meine Knochen frösteln ließ.

Dann – ein Laut.

Ganz nah.

Ein Heulen, roh und kraftvoll, direkt hinter mir.

Eins.

Dann mehrere.

Dann Hunderte.

Die Vampire wirbelten herum – und da brach das Rudel aus dem Wald.

Ein Sturm aus Fell und Zähne.

Wölfe prallten auf die bleichen Körper, rissen Gliedmaßen ab, zerschlugen Schädel, schlitzten Leiber auf. Schnee färbte sich rot.

Der Kreis brach wie morsches Holz.

Der Weg vor mir war frei – ich rannte. Zwei Wölfe flankierten mich. Rechts der Alte. Links der Rudelführer.

Wir waren eins.

Ein Atem.

Ein Wille.

Gemeinsam erreichten wir die Burg. Vor dem Tor stand eine Frau.

Rotes Kleid, das im Wind wogte.

Schwarze Spitze, die ihre Brust betonte.

Um ihren Hals ein Runenstein, der pulsierte wie ein Herz.

Die Macht des Steins schlug über uns zusammen.

Ein unsichtbarer Hammer.

Er warf uns zu Boden, nagelte uns fest, drückte jeden Muskel in den Schnee.

Die Frau kam näher.

Schwarzes, wildes Haar rahmte ihr fahles Gesicht. Rote Augen glühten. Fangzähne blitzten. Ihr Lachen war mächtig, grausam – sie genoss jede Sekunde unserer Ohnmacht.

Sie blieb vor mir stehen.

„Jetzt habe ich euch“, sagte sie.

Ich hob den Kopf. Und als ich ihr ins Gesicht sah, zerbrach etwas in mir.

Schmerz schoss durch meinen Körper.

Ich wollte fragen, wollte schreien – aber nur ein winselnder Laut kam heraus.

„Jetzt habe ich dich, Mike“, sagte die Frau.

Und lächelte.

Sophie.

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