Nach der Ankündigung der neuen Garmin Fenix 9 und Fenix 9 Pro macht sich bei mir vor allem eines breit: Ernüchterung.
Der große Wurf im Outdoor-Bereich ist es in meinen Augen nicht geworden.
Versteht mich nicht falsch: Die Fenix 9 und 9 Pro sind auf dem Papier sicherlich keine schlechten Smartwatches. Ganz im Gegenteil. Garmin packt wieder jede Menge Technik ans Handgelenk. Verglichen mit der Fenix 8 wirken die Neuerungen allerdings eher überschaubar. Böse Zungen könnten behaupten: Das ist vor allem Modellpflege.
Mit meiner Fenix 7 Solar stellt sich für mich aber ohnehin eine ganz andere Frage:
Was bringt mir eine Fenix 9 Pro draußen tatsächlich mehr?
Und genau an diesem Punkt wird es für mich schwierig.
Wenn ich Solar will, muss ich Pro kaufen
Besonders störe ich mich an der Positionierung der Solar-Modelle. Will ich bei der Fenix 9 Solar haben, muss ich ins Pro-Lager wechseln.
Aber bin ich überhaupt ein Pro-Nutzer?
Ich möchte hier bewusst keinen großen Spec-Vergleich zwischen Fenix 7, 8 und 9 aufmachen. Das überlasse ich gerne den Kollegen, die sich durch jede einzelne Funktion, jeden Sensor und jedes Datenblatt arbeiten.
Mich interessiert eine andere Perspektive: die des ganz normalen Outdoor-Nutzers.
Ich gehe wandern, fahre Fahrrad, laufe und bin viel mit dem Hund draußen. Dafür möchte ich eine Outdoor-Uhr, die robust ist, mich bei Bedarf bei der Navigation unterstützt und vor allem eine sehr gute Akkulaufzeit besitzt. Solar finde ich interessant, weil es genau diese Ausdauer zusätzlich unterstützen kann.
Was ich dagegen nicht suche, ist ein Luxus-Gadget fürs Handgelenk.
Und genau in diese Richtung scheint sich die Fenix für mich zunehmend zu entwickeln.
Natürlich ist die Fenix 9 besser als meine Fenix 7
Keine Frage: Stelle ich meine inzwischen einige Jahre alte Fenix 7 Solar neben eine aktuelle Fenix 9 Pro, gibt es erhebliche technische Verbesserungen.
Alles andere wäre allerdings auch ziemlich peinlich.
Die entscheidende Frage lautet für mich deshalb nicht, ob die Fenix 9 Pro besser ist.
Die Frage lautet:
Merke ich diese Verbesserungen in meinem Alltag überhaupt?
Und noch wichtiger:
Sind sie mir einen Preis von deutlich über 1.000 Euro wert?
Darauf kann ich ziemlich eindeutig antworten:
Nein.
Bin ich aus der Fenix herausgewachsen?
Vielleicht bin ich inzwischen einfach aus der Fenix-Modellreihe herausgewachsen.
Oder die Fenix hat sich von dem entfernt, was ich von ihr haben möchte.
Wenn Solar, Robustheit und lange Akkulaufzeit meine wichtigsten Kriterien sind, erscheint mir inzwischen eine Enduro fast logischer.
Und wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, geht der Gedanke sogar noch einen Schritt weiter.
Wie oft brauche ich die Kartendarstellung meiner Fenix tatsächlich?
Karten auf der Uhr sind nett. Sie sehen bei der Produktvorstellung beeindruckend aus und können in bestimmten Situationen durchaus hilfreich sein. In meinem Outdoor-Alltag sind sie für mich aber eher „nice to have“ als unverzichtbar.
Und plötzlich lande ich wieder bei einer Garmin Instinct.
Ausgerechnet bei jener Modellreihe, der ich mit dem Kauf meiner Fenix 7 Solar eigentlich entwachsen zu sein glaubte.
Meine Fenix 7 Solar bleibt
Die Vorstellung der Fenix 9 und Fenix 9 Pro hat bei mir deshalb keinen Kaufreiz ausgelöst. Eigentlich hat sie sogar das Gegenteil bewirkt.
Sie hat mir gezeigt, wie wenig mir bei meiner vorhandenen Uhr tatsächlich fehlt.
Meine Fenix 7 Solar navigiert. Sie zeichnet meine Aktivitäten auf. Sie ist robust. Der Akku hält lange. Solar ist an Bord. Und nach mehreren Jahren funktioniert sie immer noch.
Warum sollte ich sie also ersetzen?
Nur weil es inzwischen eine 9 auf dem Karton gibt?
Meine Fenix 7 Solar ist noch lange kein Altmetall und erst recht kein Elektroschrott. Solange sie ihren Job macht, wird sie mich weiter begleiten.
Und wenn irgendwann tatsächlich eine neue Garmin an mein Handgelenk kommt, muss auf deren Gehäuse vielleicht gar nicht mehr Fenix stehen.