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Romantisches Mittelrheintal mit Hund

Die Epoche der Romantik hat mich schon immer fasziniert. Als ich zum ersten Mal vom Wandern im romantischen Mittelrheintal las, war ich sofort begeistert. Sechs Wandertage verbrachten Loki und ich dort im Mai 2026 – zwischen Burgruinen, Weinbergen, steilen Waldpfaden und jeder Menge Rheinpanorama.

Das Mittelrheintal zwischen Koblenz im Norden und Bingen im Süden hat einen großen Vorteil: Von NRW aus ist man in gut zwei Stunden dort. Gleichzeitig ist die touristische Infrastruktur hervorragend ausgebaut. Ferienwohnungen, Hotels, Campingplätze, Restaurants sowie unzählige Rund- und Fernwanderwege machen die Region extrem flexibel – egal, ob man Tageswanderungen oder einen längeren Wanderurlaub plant.

Da diesmal auch meine Eltern die Region entdecken wollten, entschieden wir uns für eine Ferienwohnung in der Fondelsmühle in Boppard. Die gemütliche Unterkunft lag in einem alten Fachwerkhaus und bot ausreichend Platz für vier Personen.

Von dort aus konnten wir direkt in erste Wanderungen starten. Gleichzeitig waren Gastronomie, Bahnanschluss und Schiffsanleger schnell erreichbar. Gerade die Möglichkeit, spontan mit der Bahn weiter südlich ins Rheintal zu fahren oder eine Rheinfahrt Richtung Loreley zu unternehmen, machte vieles angenehm unkompliziert.

Der Start in die Wanderwoche verlief wettertechnisch allerdings eher durchwachsen. Kühl, nass und grau präsentierte sich Boppard anfangs wenig einladend. Aber wie heißt es unter Wanderern so schön: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

Also ging es direkt los.

Montag

Gedeonseck und Vierseenblick

Tour auf Garmin Connect

Eigentlich wollte ich mit Loki den Wanderweg unterhalb der Sesselbahn nehmen, der direkt neben der Ferienwohnung beginnt. Doch nasser Fels, steile Passagen und rutschige Abstiege sind mit Hund irgendwann einfach keine gute Kombination mehr. Also musste spontan eine Alternativroute her.

Gedeonseck

Zunächst ging es über die Straße Mühltal bergauf. Nach gut einem Kilometer zweigt rechts der Kyffhäuserweg ab und der Anstieg wird deutlich steiler. Ein kleines Hinweisschild führte uns schließlich auf einen schmalen Wanderpfad, der sich in engen Serpentinen den Hang hinaufzieht.

Der Boden war aufgeweicht und stellenweise unangenehm rutschig. Trotzdem machte genau das den Aufstieg irgendwie spannend. Kurz vor der Bergstation der Sesselbahn spuckte uns der Pfad wieder aus dem Wald heraus.

Das Gedeonseck bietet einen der bekanntesten Ausblicke des Mittelrheintals. Der Rhein zieht dort eine enge Schleife durch die Landschaft und wirkt fast unwirklich ruhig zwischen den steilen Hängen.

Vierseenblick

Der Vierseenblick dagegen konnte mich ehrlich gesagt nicht ganz überzeugen. Die optische Täuschung ist nett, aber der eigentliche Rheinblick am Gedeonseck bleibt deutlich beeindruckender.

Für den Rückweg wählte ich dann lieber wieder die Straße.

Dienstag

Traumschleife Elfenlay

Tour auf Garmin Connect

Das Wetter hatte sich etwas gebessert. Zwar blieb es bedeckt, aber immerhin trocken. Loki und ich starteten direkt von der Ferienwohnung aus zur Traumschleife Elfenlay, die praktisch vor der Haustür beginnt.

Blick auf Boppard

Zunächst geht es entlang der Schienen der Hunsrückbahn bergauf. Schon nach kurzer Zeit wird der Weg schmal, steil und durch den Regen des Vortages extrem rutschig.

Sobald wir tiefer in den Wald eintauchen, verändert sich die Atmosphäre komplett. Die Luft wird feuchtwarm, fast tropisch. Überall schwirren Insekten umher und das Mückenspray muss mehrfach erneuert werden, da der Schweiß es ständig wieder herunterspült.

Holzbrücke

Anfangs verläuft der Weg parallel zum Mühltalbach und der Straße tief unter uns. Doch je weiter wir in den Wald vordringen, desto mehr verschwinden die Geräusche von Verkehr und Rheinschifffahrt.

An einer kleinen Holzbrücke führt der Pfad erneut steil bergauf. Kurz darauf erreichen wir eine Aussichtshütte mit einem fantastischen Blick auf die Wälder und das Hubertusviadukt der Hunsrückbahn.

Hubertusviadukt

Von dort führt die Strecke in einem weiten Bogen zurück Richtung Boppard. Immer wieder öffnen sich schöne Ausblicke auf den Rhein und die Stadt.

Mittwoch

Stadtrundgang durch Boppard

Tour auf Garmin Connect

Römerkastell

Natürlich lädt auch Boppard selbst zu einem ausgiebigen Stadtrundgang ein. Zwischen Fachwerkhäusern, modernen Gebäuden und kleinen Gassen stößt man immer wieder auf Überreste der mittelalterlichen Stadtbefestigung und sogar auf Teile des alten Römerkastells.

Gerade dieser Mix aus Geschichte, Rheinromantik und Tourismus macht den Ort interessant.

Wanderung Boppard – Bad Salzig

Tour auf Garmin Connect

Am äußeren Rand von Boppard starteten Loki und ich unsere Wanderung Richtung Bad Salzig. Los ging es am Marienberger Park. Inzwischen hatte das Wetter erneut umgeschlagen und aus bedecktem Himmel war beständiger Regen geworden.

Marienberger Park

Direkt zu Beginn führt der Weg steil bergauf. Der nasse Fels war so glatt, dass ich Lokis Vorwärtsdrang mehrfach abbremsen musste, um auf den rutschigen Steinen nicht den Halt zu verlieren.

Leider wurde der Weg auf dem Höhenzug kaum besser. Immer wieder ging es steil bergauf und bergab. Der Untergrund war nass, schmierig und unangenehm rutschig. Ein- oder zweimal legte ich mich tatsächlich hin und holte mir blutige Finger, als ich reflexartig nach Dornenbüschen griff.

Blick auf den Rhein

Spaß machte das irgendwann nicht mehr.

In einer Schutzhütte plante ich die Route kurzerhand um. Statt weiterer schmaler Pfade ging es nun über breitere Fahrwege Richtung Bad Salzig. Von dort liefen wir entlang des Rheins und der B9 auf dem Rad- und Fußweg recht zügig zurück nach Boppard.

Gear-Check

Merrell Herren Moab 3 Mid GTX

Der Merrell MOAB kam bei Nässe ziemlich klar an seine Grenzen. Einen derart rutschigen Wanderschuh hatte ich tatsächlich selten an den Füßen. Die oft überschwänglichen Bewertungen vieler Nutzer kann ich nach dieser Tour nur bedingt nachvollziehen.

Auf breiten und trockenen Wanderwegen funktioniert der Schuh durchaus ordentlich. Auf schmalen, steilen Waldpfaden bei Regenwetter fehlt ihm jedoch schlicht der nötige Grip.

Gerade im Mittelrheintal mit seinen felsigen und oft feuchten Wegen wurde das schnell unangenehm spürbar.

Donnerstag

Burg Rheinfels und Loreley

Tour auf Garmin Connect

Der Regen hatte endlich nachgelassen und erstmals zeigte sich vorsichtig besseres Wetter. Mit der Regionalbahn ging es von Boppard nach St. Goar.

Burgruine Rheinfels

Unser Hauptziel war Burg Rheinfels. Die weitläufige Ruine mit ihren begehbaren Gängen reizte mich schon länger. Der Aufstieg zur Burg brachte uns schnell ins Schwitzen, doch oben angekommen wartete genau die Mischung aus Geschichte, Verfall und Rheinblick, die das Mittelrheintal so besonders macht.

Sechs Euro Eintritt wirken zunächst nicht günstig, gehen für den Erhalt der Anlage aber vollkommen in Ordnung. Etwas enttäuschend war allerdings, dass aufgrund der Vorbereitungen zur BUGA 2029/2030 Teile der Ruine aktuell nicht zugänglich sind.

Blick aus dem Gewölbekeller

Trotzdem erkundeten Loki und ich ausgiebig die verbliebenen Bereiche, bevor wir schließlich weiter Richtung Loreley zogen.

Auf den Höhenwegen eröffneten sich immer wieder großartige Ausblicke über das Rheintal. Hin und wieder brach sogar die Sonne durch die Wolken und sorgte plötzlich für fast schon sommerliche Temperaturen.

Gear-Check

Helikon-Tex Patriot Pro

Die Patriot Pro erwies sich auf der Reise als hervorragende Softshelljacke. Sie funktionierte gleichzeitig als Windschutz, Wärmeschicht und leichter Regenschutz.

Im Mittelrheintal hielt sie Wind und Nieselregen zuverlässig ab, sodass der Regenponcho die meiste Zeit im Rucksack bleiben konnte. Gleichzeitig blieb die Jacke angenehm leicht und elastisch.

Gerade zwischen Herbst und Frühling ist das für mich eine dieser Jacken, die Wanderungen deutlich angenehmer machen.

Sesselbahn Boppard

Zurück in Boppard blieb Loki bei meiner Mutter und ich fuhr gemeinsam mit meinem Vater mit der Sesselbahn hinauf zum Gedeonseck.

Sechs Euro pro Fahrt summieren sich bei zwei Personen schnell. Günstig ist das nicht. Dafür bekommt man allerdings ungewöhnliche Perspektiven über Boppard und den Rhein, die man vom Wanderweg aus so nicht erlebt.

Freitag

Burg Stahleck und Burg Stahlberg

Tour auf Garmin Connect

Am Freitag zeigte sich endlich die Sonne. Wieder ging es mit der Bahn von Boppard nach Bacharach.

Burg Stahleck

Von dort aus sollte unsere Wanderung weiter ins Landesinnere zur Burgruine Stahlberg führen.

Zunächst liefen Loki und ich jedoch hinauf zur Burg Stahleck, die heute als Jugendherberge genutzt wird. Schon von außen wirkt die Burg beeindruckend. Der Innenhof kann frei betreten werden, die Gebäude selbst bleiben allerdings den Gästen vorbehalten.

Anschließend führte uns der Weg entlang der Weinberge Richtung Rabenkopf. Dort steht eine kleine Schutzhütte mit schönem Blick über die Umgebung.

Kurz darauf kamen wir an einem Wildgehege vorbei, das Loki natürlich besonders spannend fand. Danach erreichten wir das kleine Örtchen Steeg mit seinem alten Wehrturm.

Langsam tauchte rechts im Tal die Burgruine Stahlberg mit ihren beiden Bergfrieden auf. Die Anlage wirkt schon aus der Entfernung imposant und beherrscht die Landschaft deutlich sichtbar.

Burgruine Stahlberg

Auf dem Weg dorthin entdeckten wir mehrere alte Schieferstollen, die tief in den Berg hineinführten. Natürlich mussten wir sie erkunden. Loki nutzte dabei die Gelegenheit, aus gesammeltem Stollenwasser zu trinken – vermutlich der Auslöser dafür, dass er den Rest der Reise mit Durchfall zu kämpfen hatte.

Die Burgruine Stahlberg selbst ist frei zugänglich und definitiv einen Besuch wert. Wir erkundeten die Anlage ausführlich und machten auf einer der Bänke eine kleine Pause.

Burgruine Stahlberg von der anderen Seite

Auf dem Rückweg führte uns die Route in einem weiten Bogen über Felder und Weinberge zurück nach Bacharach. Besonders der Heinrich-Heine-Ausblick bot noch einmal eine fantastische Aussicht auf die alten Wehranlagen, die Wernerkapelle und Burg Stahleck oberhalb des Rheins.

Nach einem recht steilen Abstieg trafen wir unten allerdings auf wahre Touristenmassen. Reisebusse hatten ganze Gruppen ausgespuckt und entsprechend voll wurde es in den Gassen.

Also machten wir uns relativ schnell wieder auf den Weg zum Bahnhof.

Wernerkapelle, Burg Stahleck, Wehranlage

Die Rückfahrt entwickelte sich dann noch zu einem kleinen Abenteuer. Der Zug war brechend voll und ich musste irgendwo zwischen Fahrrädern, Rucksäcken und Menschenmengen noch einen Platz für Loki finden.

Am Ende funktionierte aber alles erstaunlich entspannt – und Loki flirtete natürlich mal wieder mit sämtlichen Frauen im Zug.

Wernerkapelle

Samstag

Am letzten kompletten Tag in Boppard merkte ich deutlich, wie anstrengend die ständigen Höhenmeter inzwischen geworden waren. Die vielen langen Wanderungen hatten meine Beine müde gemacht.

Deshalb erkundeten wir zunächst mit dem Auto die Orte Spay und Rhens.

Später saß ich mit ein paar Bieren und einem Shakshuka im Basecamp Boppard direkt neben unserer Ferienwohnung und beobachtete das Treiben rund um die Talstation der Sesselbahn und den Einstieg in den Klettersteig.

Das inzwischen sonnige Wetter lockte Heerscharen von Wanderern und Touristen an.

Gear-Check

Helikon-Tex Windshirt

Das Helikon-Tex Windshirt war während der gesamten Reise praktisch immer dabei – entweder im Rucksack oder schnell griffbereit in der Cargotasche der Wanderhose.

Der leichte Anorak eignet sich hervorragend als zusätzlicher Windschutz an kühlen Abenden oder als schneller Regenschutz bei kurzen Schauern. Klein verpackbar, unkompliziert und extrem praktisch.

Genau solche Ausrüstungsstücke schätzt man unterwegs besonders.

Hexentanzplatz bei Boppard

Tour auf Garmin Connect

Am Nachmittag zog es Loki und mich dann doch noch einmal hinaus in den Wald. In der Nähe sollte es einen sogenannten Hexentanzplatz geben.

Loki und die Hexe

Nach einem erneut recht anstrengenden Anstieg erreichten wir den kleinen Platz schnell. Dort standen einige Holzbänke und eine Holzstatue einer Hexe an einem kleinen Weiler.

Mehr war es ehrlich gesagt nicht.

Auf einer der Bänke saß allerdings ein Fotograf aus der Gegend und wir kamen ins Gespräch – erst über Hunde, dann über Fotografie und schließlich über den Hexentanzplatz selbst.

Eine besondere Sage oder Legende gäbe es laut ihm allerdings nicht. Offenbar geht der Name lediglich auf die Holzfigur zurück. Wer diese aufgestellt hatte und warum, wusste er allerdings auch nicht.

Der Rückweg führte uns erneut am Einstieg der Traumschleife Elfenlay vorbei, bevor wir wieder die Ferienwohnung erreichten.

Langsam hieß es nun: packen und Abschied nehmen.

Fazit

Das Mittelrheintal hat uns definitiv nicht zum letzten Mal gesehen. In nur sechs Tagen konnten wir eigentlich nur an der Oberfläche kratzen.

Viele Burgen sahen wir lediglich aus der Ferne, zahlreiche Wanderwege blieben unentdeckt und selbst Boppard hätte noch genug Möglichkeiten für weitere Touren geboten.

Gerade diese Mischung aus Rheinromantik, Geschichte, Burgruinen, Wäldern und anspruchsvollen Wanderwegen macht die Region so reizvoll.

Und Loki hätte vermutlich auch nichts dagegen, noch einmal zurückzukehren.