Mit dem Xplorer Grip Pro will Insta360 die Ace Pro 2 stärker in Richtung einer klassischen Kompakt- oder Street-Kamera bewegen. Ein zusätzlicher Handgriff, ein Einstellrad, ein richtiger Auslöser und eine direktere Bedienung sollen aus der Actioncam ein vielseitigeres Werkzeug für Foto und Video machen.
Auf dem Papier klingt das durchaus interessant. Insta360 bewirbt den Griff ausdrücklich als Zubehör, das die Actioncam in ein Werkzeug für die Streetfotografie verwandeln soll. Über die direkte USB-C-Verbindung lassen sich unter anderem Zoom, Belichtung und Aufnahmemodus steuern. Zusätzlich besitzt der Griff einen integrierten Akku mit 2.010 mAh.

Ich nutze den Xplorer Grip Pro inzwischen seit fast einem Dreivierteljahr. Er war unter anderem bei meiner Tour durch das Mittelrheintal dabei und hat dort grundsätzlich einen guten Job gemacht. Trotzdem habe ich ihn inzwischen wieder von der Ace Pro 2 entfernt.
Warum?
Weil mir im Laufe der Zeit immer deutlicher wurde, dass der Versuch, aus einer Actioncam eine Fotokamera zu machen, nicht automatisch zu einer besseren Kamera führt.
Deutlich leichter als der alte Xplorer Grip
Der Xplorer Grip Pro besteht überwiegend aus Kunststoff. Dadurch ist er deutlich leichter als der vorherige Xplorer Grip, dessen Rahmen und Komponenten stärker von gefrästem Aluminium geprägt waren.
Das geringere Gewicht ist zunächst ein klarer Vorteil. Die Ace Pro 2 bleibt mit dem Griff noch einigermaßen kompakt und lässt sich leichter mitnehmen als die ältere, recht massive Konstruktion. Gleichzeitig liegt die Kamera mit dem zusätzlichen Handgriff deutlich sicherer in der Hand.

Gerade beim Fotografieren fühlt sich die Ace Pro 2 dadurch zunächst mehr wie eine kleine Kompaktkamera an. Man hält sie nicht mehr nur zwischen zwei Fingern oder an einem kleinen Actioncam-Gehäuse, sondern bekommt einen richtigen Griff.
Die Verbindung zwischen Kamera und Bedienelementen erfolgt über den USB-C-Anschluss der Ace Pro 2. Darüber kommuniziert der Griff direkt mit der Kamera. Der Auslöser kann Fotos aufnehmen oder Videoaufnahmen starten und stoppen. Über das Einstellrad lassen sich verschiedene Parameter und Funktionen kontrollieren.
Das funktioniert grundsätzlich. Allerdings nicht immer so schnell und selbstverständlich, wie ich es von einer Fotokamera erwarten würde.
Die Kamera braucht zu lange, bis sie bereit ist

Einer meiner größten Kritikpunkte ist die Einschaltverzögerung.
Wird die Kamera eingeschaltet, muss sie zunächst den USB-C-Anschluss abfragen und den angeschlossenen Griff erkennen. Anschließend wird der Xplorer Grip Pro in das System eingebunden. Erst danach stehen das Einstellrad und die weiteren Funktionen vollständig zur Verfügung.
Das dauert nicht ewig. Im Alltag fühlt es sich aber erstaunlich lang an.
Gerade bei spontanen Motiven ist das störend. Ich nehme die Kamera aus der Tasche, schalte sie ein und möchte eigentlich sofort fotografieren. Stattdessen muss ich warten, bis Kamera und Griff miteinander kommunizieren.
Bei Landschaftsaufnahmen ist das kaum ein Problem. Der Berg läuft nicht weg und auch der Rhein bleibt meistens dort, wo er ist. Bei Tieren, Menschen oder kurzen Situationen kann der entscheidende Moment dagegen längst vorbei sein.
Eine Actioncam sollte eigentlich für Geschwindigkeit und unkomplizierte Bedienung stehen. Durch den Griff entsteht aber ausgerechnet an dieser Stelle zusätzliche Komplexität.
Der Auslöseknopf löst sich
Wirklich geärgert hat mich der aufgeschraubte Auslöseknopf.
Der eigentliche Taster liegt relativ flach auf der Oberseite des Griffs. Darauf wird ein zusätzlicher Kunststoffknopf geschraubt, der die Bedienung verbessern und vermutlich ein stärkeres Fotokamera-Gefühl vermitteln soll.
In der Praxis hat sich dieser Knopf bei mir immer wieder gelöst.

Die normalen Bewegungen beim Transport reichen offenbar aus, damit sich das kleine Bauteil langsam herausdreht. Mehrfach habe ich die Kamera aus der Tasche genommen und festgestellt, dass der Knopf nicht mehr auf dem Auslöser saß.
Meistens lag er noch irgendwo in der Tasche. Das macht die Sache aber kaum besser.
Ohne den aufgeschraubten Knopf lässt sich der eigentliche Auslöser nur noch schlecht bedienen. In dem Moment kann ich die Kamera also nicht so verwenden, wie es vorgesehen ist. Noch unangenehmer ist die Vorstellung, dass der kleine Knopf unterwegs unbemerkt verloren geht.
Bei einem Zubehörteil, das gerade die Bedienung verbessern soll, ist das für mich eine erstaunlich ärgerliche Schwachstelle.
QuickCapture startet immer eine Videoaufnahme
Ein weiteres Problem betrifft QuickCapture.
Ist die Ace Pro 2 ausgeschaltet, kann sie durch einen langen Druck auf den Auslöser direkt gestartet werden. Das ist eigentlich eine sehr praktische Funktion. Laut Insta360 lässt sich QuickCapture über das Schnellmenü aktivieren und anschließend über den Auslöser des Griffs starten.
Bei mir beginnt die Kamera dabei jedoch immer mit einer Videoaufnahme.
Eine Möglichkeit, vorher festzulegen, ob QuickCapture ein Foto oder ein Video aufnehmen soll, fehlt mir. Dabei wäre gerade das bei einem Griff sinnvoll, der die Ace Pro 2 stärker als Fotokamera positionieren soll.

Bei einer meiner früheren GoPro konnte ich auswählen, was beim Schnellstart passieren soll. Je nach Einstellung begann die Kamera entweder zu filmen oder nahm ein Foto auf.
Bei der Ace Pro 2 funktioniert dieser schnelle Zugriff dagegen im Grunde nur für Video.
Das passt zur ursprünglichen Rolle der Kamera als Actioncam. Es passt aber weniger zu dem Anspruch, sie mithilfe des Xplorer Grip Pro in eine kompakte Fotokamera zu verwandeln.
Wenn ich schon einen richtigen Handgriff und einen Fotoauslöser anbringe, möchte ich die Kamera im ausgeschalteten Zustand auch direkt für ein Foto starten können.
Viele Funktionen bleiben fummelig
Der Xplorer Grip Pro besitzt ein Einstellrad, doch daraus wird noch keine Bedienung wie bei einer klassischen Kamera.
Ein Teil der Einstellungen lässt sich über das Rad verändern. Für viele weitere Optionen muss ich weiterhin das Display verwenden, durch Menüs wischen und kleine Symbole antippen.

Dadurch wird die Bedienung nicht grundsätzlich schlecht. Sie bleibt aber fummeliger, als es die äußere Gestaltung zunächst vermuten lässt.
Eine richtige Fotokamera bietet mir mehrere klar zugeordnete Einstellräder und Tasten. Ich kann Blende, Belichtungskorrektur, Verschlusszeit oder ISO verändern, ohne mich lange durch Bildschirmmenüs zu bewegen.
Beim Xplorer Grip Pro bekomme ich dagegen einen zusätzlichen Auslöser und ein Einstellrad. Der Rest bleibt Actioncam-Bedienung.
Damit steckt die Konstruktion irgendwo zwischen zwei Welten.
Für eine Actioncam wird sie größer, komplexer und langsamer. Für eine Fotokamera fehlen ihr dagegen die direkten Bedienelemente und die Flexibilität einer echten Kamera.
Auch die Schutzklappe muss weichen
Damit der Xplorer Grip Pro über USB-C mit der Ace Pro 2 verbunden werden kann, muss die seitliche Schutzklappe der Kamera entfernt werden.
Hinter dieser Klappe befinden sich der USB-C-Anschluss und der Zugang zur Speicherkarte. Ohne Griff schützt sie diese empfindlichen Bereiche vor Schmutz und Feuchtigkeit.
Während der Nutzung des Griffs bleibt der Anschluss dauerhaft belegt. Die ursprüngliche Schutzklappe kann deshalb nicht montiert bleiben.

Das ist technisch nachvollziehbar, verändert für mich aber den Charakter der Kamera. Die Ace Pro 2 ist in ihrer ursprünglichen Form eine robuste Actioncam. Mit dem Grip wird daraus eine offenere und empfindlichere Konstruktion.
Nachdem ich den Griff wieder entfernt hatte, konnte ich auch die originale Schutzklappe erneut anbringen. Seitdem fühlt sich die Kamera wieder so an, wie ich sie eigentlich gekauft habe: kompakt, robust und unkompliziert.
Zurück zur Actioncam
Inzwischen nutze ich die Ace Pro 2 wieder ganz bewusst als Actioncam und Videokamera.
Ohne Xplorer Grip Pro ist sie kleiner und schneller einsatzbereit. Sie lässt sich einfacher befestigen, besser transportieren und wieder so verwenden, wie es ihrem eigentlichen Konzept entspricht.
Für Videoaufnahmen beim Wandern, für kurze Sequenzen unterwegs oder für Aufnahmen aus ungewöhnlichen Perspektiven gefällt sie mir ohne Griff sogar besser.
Der Xplorer Grip Pro hat die Möglichkeiten der Kamera zwar erweitert. Gleichzeitig hat er aber auch versucht, aus ihr etwas zu machen, das sie meiner Ansicht nach nicht wirklich ist.

Die Ace Pro 2 kann gute Fotos aufnehmen. Insta360 nennt eine maximale Auflösung von 50 Megapixeln, während Videos mit bis zu 8K bei 30 Bildern pro Sekunde möglich sind.
Eine hohe Auflösung allein macht aus einer Actioncam jedoch noch keine überzeugende Fotokamera.
Für Fotos nehme ich lieber eine richtige Kamera
Wenn ich gezielt fotografieren möchte, greife ich inzwischen lieber zu meiner Fujifilm X-M5 oder Panasonic Lumix G-X8.
Mit kompakten Pancake-Objektiven bleiben auch diese Kombinationen erstaunlich klein. Gleichzeitig bieten sie mir eine deutlich angenehmere Bedienung, mehr direkte Einstellmöglichkeiten und vor allem die Bildgestaltung von richtigen Systemkameras.
Natürlich ist das kein ganz fairer Vergleich. Systemkameras sind keine Actioncams. Sie sind weder für harte Einsätze, noch für Aufnahmen im Regen oder für die Montage am Rucksack gedacht.

Genau darum geht es aber.
Ich muss nicht zwanghaft versuchen, jede Kamera in ein universelles Werkzeug zu verwandeln.
Die Ace Pro 2 ist eine sehr gute Action- und Videokamera. Die Fujifilm beispielsweise ist meine Kamera für bewusstes Fotografieren. Beide können sich ergänzen, ohne dass eine davon alles können muss.
Mein Fazit zum Xplorer Grip Pro
Der Insta360 Xplorer Grip Pro ist keine schlechte Idee.
Er verbessert die Ergonomie der Ace Pro 2, bietet einen richtigen Auslöser und ermöglicht über das Einstellrad einen direkteren Zugriff auf einige Funktionen. Durch die leichtere Kunststoffkonstruktion fällt er zudem weniger massiv aus als der vorherige Xplorer Grip.
Trotzdem konnte mich das Konzept im Langzeiteinsatz nicht überzeugen.
Die lange Einschaltphase, der sich lösende Auslöseknopf und die fehlende Auswahl zwischen Foto und Video bei QuickCapture haben mich zunehmend gestört. Dazu kommt eine Bedienung, die trotz Einstellrad weiterhin stark vom Touchscreen abhängig bleibt.
Der Xplorer Grip Pro lässt die Ace Pro 2 wie eine Fotokamera aussehen. Bei der Bedienung bleibt sie aber eine Actioncam.

Inzwischen gefällt mir die Kamera ohne den Griff besser. Sie ist wieder kleiner, robuster und konsequenter auf das ausgerichtet, was sie meiner Ansicht nach am besten kann: unkompliziert Videos aufnehmen und als echte Actioncam überall dabei sein.
Wer die Ace Pro 2 gelegentlich für Streetfotografie oder Reiseaufnahmen einsetzen möchte, kann mit dem Xplorer Grip Pro durchaus Freude haben. Wer jedoch eine Bedienung wie bei einer klassischen Fotokamera erwartet, könnte ähnlich wie ich irgendwann feststellen:
Eine Actioncam mit Handgriff ist noch lange keine Fotokamera.