Spyderco Karambit

Aus aktuellem Anlass muss ich von der Benutzung des Spyderco Karambit abraten. Im Einsatz hat der Haltemechanismus des Backlock in der Klingenwurzel versagt.

Unten: Spyderco Karambit

Auf den ersten Blick schaut das Messer sehr schmuck aus und auch die technischen Daten lesen sich toll: G-10-Griffschalen, VG-10-Stahl, Emerson Wave Öffnungshilfe, kompakte Maße und versetzbarer Gürtelclip machen das Spyderco Karambit eigentlich zum idealen Kameraden, wenn man auf diese Art von Messer steht. Okay, der Preis, der ist heftig!

Vor einigen Jahren bekam ich es als Muster für eine Marktübersicht im Magazin „Tactical Knives“ geliefert und habe damit ein wenig herumgespielt. Danach landete es in der Messersammlung und wurde eigentlich nur noch ab und an in die Hand genommen.

Spyderco Karambit – zerlegt

Am Wochenende nahm ich dann an dem Seminar COMBATIVE BLADE STRATEGIES COACH CERTIFICATION COURSE (LEVEL 1) von SC Int’l in Wuppertal teil. Das Team vom K3 Wuppertal bat mich, ein paar Messer aus meiner Sammlung mitzubringen.

Direkt am Anfang des Kurses wurde realistisches Ziehen des Messers geübt. Dabei sollte der Nutzer das Messer auch gegen eine frei hängende Holzplatte stoßen. Die Teilnehmer hatten die Wahl zwischen der Nutzung eines Aluminium-Trainingsmessers oder einer scharfen Klinge. Letzteres durfte nur mit Schnittschutzhandschuhen genutzt werden.

Spyderco Karambit – Nahaufnahme Bruchstelle

Ein Teilnehmer nutzte nach mehreren Versuchen auch das Spyderco Karambit. Beim Stoß gegen die Holzplatte drang die Klinge tief ein. Dabei brach unbemerkt ein Teil der Klingenwurzel heraus, in der der Back-Lock arretierte.

Beim Herausziehen des Messers versagte dadurch der Lock und die Klinge klappte zu. Da der Handrücken der Schnittschutzhandschuhe nicht schnitthemmend ausgestattet war, drang die Klinge in den kleinen Finger des Teilnehmers und durchtrennte die Sehne am oberen Gelenk.

Spyderco Karambit – Durchtrennte Sehen

Für den Teilnehmer war das Seminar damit beendet und den Rest des Tages verbrachte er in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Dort wurde die Sehne genäht und der Finger geschient. Der Teilnehmer war am zweiten Tag wieder beim Seminar, konnte aber nicht mitmachen und muss dieses nun wiederholen.

Auch wenn der recht harte und spröde VG-10 Stahl bei härterer Beanspruchung zu Ausbrüchen an der Klinge neigt, darf so etwas an der Klingenwurzel, die ja das massivste Teil des Messers ist, nicht passieren.

Natürlich habe ich das Messer nach dem Versagen in seine Einzelteile zerlegt. Es wies keine Anzeichen von Korrosion oder Materialermüdung auf. Als Vermutung tippe ich hier auf eine nicht komplett durchgehärtete Klinge.

Dass so etwas bei einem 20-Euro-Messer vorkommen kann, ist nachvollziehbar, aufgrund der enormen Massenfertigungen. Aber bei einem Messer, das über 300,- Euro kostet, sollte das nicht passieren.

Fazit
Nur für die Vitrine gedacht.
Im realen Einsatz nicht zu gebrauchen.
VERLETZUNGSGEFAHR!!!
Daten und Fakten
Herstellungsland: Japan
Klingenlänge: 60 mm
Klingenstärke: 2,5 mm
Klingenmaterial: VG-10
Klingenschliff: Flachschliff
Länge Griff: 105 mm
Stärke Griff: 11 mm
Material Griff: G-10
Härte Rockwell: 58 HRC
Arretierung: Backlock
Gewicht: 107 g
Lieferumfang:
Preis: EUR 309,60
Hersteller: Spyderco
Bezugsquelle: ACMA

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.