Fichtenelch-Armory Feuerschwinge

Als mein Trainer hörte, dass ich mir wieder einen kurzen Bogen kaufen würde, schlug er wohl die Hände über den Kopf zusammen. Er meinte zu mir, dass er eher auf kleine Frauen und dafür auf lange Bögen stehen würde. Da sagte ich nur: „Ist bei mir genau anders herum!“

Feuerschwinge Das erste Mal

Aber kommen wir doch zurück zum wichtigen Thema. Ein kurzer Bogen hat schon was. Als Recurve-Schütze mit langen Armen hat man nunmal einen langen Auszug. Da ist in der Regel ab einer bestimmten Bogenlänge Schluss.

Durch Zufall wurde ich auf die Facebook-Seite von Fichtenelch-Armory aufmerksam gemacht. Echt schräge und auch kurze Bogendesigns tauchten dort Tag für Tag auf. Mein Interesse war geweckt und mit jedem Bild zogen mich die Bögen mehr und mehr in ihren Bann.

Das Griffstück

Dann habe ich irgendwann eine Email-Anfrage gesendet und prompt gab es Antwort. Ein kurzer Bogen bei 31,5 Zoll Auszug geht. Yippie!!!

Doch dann die Frage, wie sollte er aussehen? Keine Ahnung! Die Erstanfrage kam einfach aus dem Bauch heraus.

Aber für Bogenbauer Alexander Lind war das kein Problem. Mit der nötigen Ruhe besprach er am Telefon mit mir die Optionen und Möglichkeiten. Auch für schräge Ideen war er zu haben und so brauchte ich am Ende eigentlich nur eine Entscheidung. Nur die musste ich selber treffen.

Die Grundform

Ein Take-Down wäre auch bei einem solch kleinen Bogen möglich. Nur wären da eher harte klassische Hölzer genutzt worden. Mich hatte aber das rot-schwarze Actionwood ziemlich angemacht. Für einen Take-Down-Mechanismus ist das eingefärbte und schichtverleimte Birkenholz jedoch nicht stabil genug.

Nach ein paar Tagen Überlegung und Hirnzermartern entschied ich mich für die One-Piece-Variante. Und das Schöne an alledem war, der neue Bogen würde ein Unikat werden: Der ist nur für mich!

Beim Tillern

Alexander Lind fing dann an den Bogen zu bauen. Jeden Tag, an dem er an dem Bogen arbeitete, schickte er mir einige Fotos, wie weit er mit dem Bogen gekommen war. So konnte ich an der ganzen Entstehungsgeschichte des Bogen teilhaben. Auch blieben wir über die Zeit ständig in Kontakt.

Nach einigen Wochen war der Bogen dann endlich fertig. Und er sah richtig geil aus. Immer wieder habe ich ihn mir im Kopf ausgemalt, aber auf den Fotos übertraf er diese Fantasien noch.

Nach dem Beizen

Jetzt musste nur noch ein Name her und damit begannen ein paar Tage Internetrecherche, Fragen unter Bogenkameraden und das Für und Wider durch den Kopf gehen, welchen besonderen Namen das gute Stück denn nun tragen soll. Am Ende kam die Idee fast nebenbei und im nachhinein passt der Name aber wie die Faust aufs Auge: Feuerschwinge.

Jetzt musste ich nur noch warten bis der Postbote kam. Das stellte meine Geduld noch einmal ordentlich auf die Probe. Und dann war die Feuerschwinge endlich da. Vorsichtig ausgepackt. Mit der Spannschnur aufgespannt und die Standhöhe kontrolliert. Und dann schnell ins Auto gesetzt und zum Parcours gefahren.

Fünf Meter vor der Scheibe zog ich zum ersten Mal den Bogen aus. Würde das passen oder fliegt mir gleich der ganze Bogen in seinen Einzelteilen um die Ohren? Ich war mir da nicht hundertprozentig sicher. Und doch, er hielt und das macht er jetzt, ein paar Monate danach, immernoch.

Die Schussergebnisse können sich dann noch vollkommen sehen lassen. Ich besitze auch einen Bodnik Ghost mit 50 Zoll Bogenlänge und der ist deutlich unruhiger im Schuss. Hier spielt die Feuerschwinge mit ihrem massiven Mittelstück ihre Vorteile gnadenlos aus. Im Schuss wird sie extrem ruhig und die Trefferqoute ist deutlich höher.

Natürlich ist auch sie zickig. Jeder Fehler im Schussablauf wird quittiert. Auch da ist sie gnadenlos. Bin ich nicht hundertprozentig bei der Sache, schon treffe ich nicht. Ich mach einen Fehler im Ablass und ich treffe nicht. Da sind längere Bögen durchaus fehlerverzeihender.

Auch muss man mit dem extremen Sehnenwinkel klarkommen. Die Finger werden schon enorm zusammengegrückt. Zudem beißt die Feuerschwinge ordentlich in den Fingerspitzen. Die fünfzig Pfund Zuggewicht sind auch durch Handschuhe deutlich spürbar. Aber inzwischen hat sich an den Reibungsflächen ordentlich Hornhaut gebildet.

Fazit
Was die Feuerschwinge besonders macht, ist ihre Optik und ihre Wurfleistung, die man dem kleinen Bogen gar nicht zutraut. Dass dort 50 Pfund Zuggewicht in den Wurfarmen liegen, die bei 31,5 Zoll Auszug erreicht werden und das bei einer Bogenlänge von nur 45 Zoll, ist einfach Wahnsinn.

Und alle die mich aufziehen mit meinem Kinderbogen, werden eindeutig eines Besseren belehrt. Und so trifft der Werbeslogan von Alexander Lind ins Schwarze: „Normal is boring“. Ja, ein normaler Bogen ist einfach langweilig, wenn man einen Fichtenelch-Bogen haben könnte.

Daten und Fakten
Hersteller: Fichtenelch-Armory
Bogen: Feuerschwinge
Griffstück: Actionwood rot/schwarz
Wurfarme: Bambus mit Carbonkern und schwarzem Glas
Zuggewicht: 50 lbs
Auszug: 31,5 Zoll
Bogenlänge: 45 Zoll
Preis: EUR 760,-

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

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