Extrema Ratio Col Moschin

Seit 1997 fertigt die Frima Extrema Ratio Kampfmesser in Italien. Die meisten ihrer Messer werden für italienische Polizeikräfte und militärische Spezialeinheiten entwickelt. Dabei geht Extrema Ratio sehr stark auf die Wünsche ihrer Kunden ein und ist sehr an Rückmeldungen aus der Realität interessiert, um die Messer immer besser zu machen.

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Extrema Ratio setzt auf die Verwendung hochwertiger Materialien und eine Fertigung ausschließlich in Italien. All ihre Messer werden aus N690 Kobaltstahl aus Österreich gefertigt. Dieser Stahl wird gerne zur Fertigung chirurgische Instrumente genutzt. Er wird mit einer hohen Härte (58 HRC) versehen und kann trotzdem rasiermesserschaff abgezogen werden, was noch per Hand ab Werk ausgeführt wird.

Die Griffe werden aus einem Polymer gefertigt, das sich Forprene nennt. Es hat eine gummiartige Oberfläche und verfügt auch im nassen Zustand über eine sichere Griffigkeit. Die Griffe werden auf den Erl aufgeschraubt und so kann das Messer zur Reinigung komplett zerlegt werden.

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All dies trifft auch auf das Extrema Ratio Col Mochin zu, das seit 2002 offizielle Ausrüstung des italienischen 9. Fallschirmjäger-Sturmregiment Col Moschin ist. Der Zusatz Col Moschin weist auf eine Tradition hin, die bis in den ersten Weltkrieg zurück geht.

Aufgrund des extremen Stellungkrieges mit Schützengräben, Stacheldrahtverhauen und Verteidigung mit Maschinengewehren kam die traditionelle Kriegsführung nicht weiter. Selbst kleine Raumgewinne waren nur durch erhebliche Verluste möglich. Aus dieser Not heraus entstanden spezielle Stoßtruppen aus der Infanterie.

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Unterstützt mit gezielten Artillerieangriffen versuchten diese Stoßtruppen keilförmig bestimmte Stellungen des Feindes zu attackieren und auszuschalten. Auch dieses Unterfangen war extrem Risikoreich und nur die mutigsten und fähigsten Soldaten kamen zu diesen Truppenteilen. In Italien nannte man sie Arditi, was in etwa mutig bedeutet.

Die Soldaten hatten natürlich eine Sonderbehandlung! Neben bessere Besoldung konnten sie auch auf bessere Ausrüstung und Material zurückgreifen und wurden nur für ihre Einsätze an die Front gebracht. In der zweiten Piave-Schlacht 1918 hielten die Arditi einen wichtigen Höhenzug, den Col Moschin und so konnte Italien diese Schlacht für sich gewinnen.

Standardmäßig wird das Extrema Ratio Col Moschin mit beidseitig geschliffener Klinge und Nylon-Gürtelscheide an das 9. Fallschirmjäger-Sturmregiment ausgeliefert. Wir hatten zu einem Test die Zivilversion des Messers zur Verfügung, die über eine nur einseitig geschliffene Klinge verfügt. Zusätzlich hatten wir hier nicht die Nylon-Scheide, sondern eine Oberschenkel-Scheide aus Kydex.

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Die sonstigen Spezifikationen stimmen mit dem Original überein. Das Messer ist ein Full-Erl mit einer Gesamtlänge von 29 cm und einer Klingenlänge von 16 cm. Das untere Ende der Klinge ist mit einer Sägezahnung versehen. Der N690 Kobaltstahl ist an seiner dicksten Stelle zum Griff hin 6,3 mm stark und die Klinge ist assymetrisch mit Hohlschliff gearbeitet.

Die Forprene Griffschalen sind mit nur einer Schraube am Erl befestigt und so können sie mit minimalem Aufwand entfernt werden. Oberhalb der Schraube ist der Griff stufig gearbeitet. In diese Stufe passen zum Handschutz hin zwei Finger hinein und geben so der Hand einen sicher Griff. Diese Stufe ist für bloße Hände ein wenig überdimensioniert, aber mit Einsatzhandschuhen passen die Finger dort genau hinein.

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Die Handlage des Messers ist optimal! Da der Schwerpunkt direkt unterhalb des Handschutzes liegt, kann man die Klinge sehr gut kontrollieren. Gerade schneidende Bewegungen sind so sehr gut durchführbar. Egal, ob man die Klinge normal führt oder im Reverse-Grip hält, die Bewegungen können so sehr kraftvoll und kontrolliert ausgeführt werden. Dies macht das Col Moschin zu einem idealen Messer in einer Kampfsituation. Aber auch die Nutzung als Werkzeug ist so gegeben.

Die hohe Steifigkeit der Klinge läßt sogar grobere Arbeiten als Haumesser oder Brecheisen zu. Zwar nimmt die Stärke der Klinge zur Spitze hin ab, aber ihrer dreieckige Tantoform ist in der Regel äußerst stabil. Dabei erweist sich die schwarze Beschichtung als enorm kratzfest. Selbst gröbere Beanspruchung hinterlassen kaum Kratzer.

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Die multifunktionale Kydexscheide lässt das Messer verlustsicher einrasten. Die zusätzliche Sicherung am Griff über einen Nylongurt ist in der Regel nicht notwendig. Über eine verlängerte Gürtelschlauf und zweier Klettbänder an der Scheide kann man das Extrema Ratio sehr gut am Oberschenkel befestigen. Die Schlaufen und Bänder können aber mit wenig Aufwand entfernt werden und so kann das Messer in zwei Positionen direkt am Gürtel getragen werden. Optional ist auch ein Schulterholster erhältlich, der das verdeckte Tragen zuläßt.

Fazit
Das Extrema Ratio Col Moschin ist ein extrem gutes Messer. Die Verarbeitung ist vorbildlich und man kann sehen, dass sich der Hersteller enorm viele Gedanken gemacht hat. Handlage und Schneidleistungen in Verbindung mit einer sehr guten Klingenform und einem hervorragenden Stahl machen das Messer zu einem treuen Begleiter in Kampf- und auch Outdoorsituationen.

Gerade für letztere Situationen bietet Extrema Ratio das Col Moschin aber noch in einer Compact-Version mit 12 cm langer, glatter Klinge und Kydexscheide mit Teklok-System an. In Anbetracht des deutschen Waffengesetzes ist dies für den zivilen Nutzer eher zu empfehlen.

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

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