Pohl Force Bravo One Outdoor – EDC- oder Outdoor-Messer

Artikel: Pohl Force Bravo One Outdoor
Bezugsquelle/Hersteller: Pohl Force
Klingenlänge: 8,3 cm
Klingenstärke: 3 mm
Klingenmaterial: D2-Arbeitsstahl
Griffmaterial: glasfaserverstärkter Kunststoff
Gewicht: 100 g
Preis: 133,- Euro


Mit dem Bravo One Outdoor hat die Firma Pohl Force ein sehr hochwertiges, kleines Messer gefertigt. Eine 8,3 cm lange Klinge mit einer Klingenstärke von 3 mm aus rostfreiem D2 Arbeitsstahl, glasfaserverstärkten Kunstoffgriffschalen und einer Flexcord Fangschnur bringen das Messer auf ein Gewicht von knapp 100 Gramm.

Diese hochwertigen Materialien schlagen sich natürlich auch im Preis nieder. 133,- Euro kostet das Messer im Handel und spielt so in einer sehr hohen Liga. Die Klinge und die sonstigen Einzelteile werden in Taiwan gefertigt. Der Zusammenbau und die Endkontrolle erfolgen aber in Deutschland. Daher ist die Qualität sehr hoch und das ausgelieferte Messer weist keine Fertigungsfehler auf.

Zum Lieferumfang gehören neben dem Messer mit Handschlaufe aus Flexcord, eine Transporthülle aus Nylon, ein Schlüsselring, ein Zertifikat, ein Aufkleber von Pohlforce und ein Muster von Sentry Solutions, einem Messerreinigungsmittel. Letzteres ist ein sehr interessantes Produkt, das die Klinge mit einem ölhaltigem  Film vor Nässe und Korrosion schützt. Es wird leider nicht über Pohl Force vertrieben, ist aber in Deutschland übers Internet erhältlich.

Das Novum, das die Firma Pohl Force beim Bravo One Outdoor umsetzte, ist der konsequente Fokus auf die Zweihandbedienung bei diesem Taschenmesser! Es ist so konzipiert, dass es sich in keinster Weise einfach in ein Einhandmesser umwandeln lassen kann.

Wir haben uns das Messer in einen Langzeittest genauer angesehen und seinen Gebrauchswert in zwei Bereichen überprüft. Wie der Name des Messers schon sagt, musste es sich in verschiedenen Oitdoor-Aufgaben bewähren und zusätzlich wurde es als EDC-Folder eingesetzt.

Mit dem Bravo One Draußen unterwegs

Die glatte Klinge mit ihrem Stone-Washed-Finish macht das Messer zu einem guten Begleiter auf Outdoor-Touren, ist es doch so für schneidende Aufgaben prädestiniert.  Rundes Schneidgut, wie z. B. Hölzer lassen sich mit dem leichten Recurve zum Heft hin sehr gut bearbeiten. So kann man aus Ästen jede Menge Hilfsmittel schnitzen. Das Anspitzen eines Stockes als Heringersatz ist sehr gut machbar. Auch die Entfernung von Rinde oder das Auffächern von Holz für das Lagerfeuer sind gut machbar. Aufgrund der robusten Bauweise mit der enormen Klingenstärke von 3 mm kann man sogar dickere Stämme sehr gut Spalten und wird nur durch die relativ kurze Klinge begrenzt.

Durch den rutschfesten Griff sind diese Arbeiten aber nur mit weicheren Holzarten gut machbar. Sobald sehr große Kräfte bei Schneiden aufgebracht werden müssen, wird der Griff in der Hand doch sehr unbequem und die Struktur, die die Rutschfestigkeit garantiert, macht sich unangenehm bemerkbar. Auch die wenig abgerundeten Kanten führen zu schmerzhaften Druckstellen auf den Handinnenflächen und der Gürtelclip fällt hier auch unangenehm auf. Auf der anderen Seite sind die ergonomischen Auflagenflächen für Daumen und Zeigefinger auf der Klinge sehr gut gelöst und so lassen sich selbst filigrane Schnitzarbeiten gut bewerkstelligen.

Die Flexcord an der unteren Grifföse das Griffes ist sehr gut für die Arbeit im Outdoorlager geeignet, kann man doch das Messer über die Schlaufe gut am Handgelenk sichern. So hat man das Messer immer schnell griffbereit und die Gefahr es auf den Waldboden liegen zu lassen und nicht mehr zu finden wird minimiert. Für diesen Fall wäre ein farblich abgesetzter Griff aber trotzdem von Vorteil.

Will man nach getaner Arbeit endlich ein Feuer entfachen, wird das mit dem Messer schon schwieriger. Egal ob Holzfeuer oder Campingkocher, mit einem Feuerstahl ist dies in der Regel kein Problem, benötigt man dafür doch nur eine relativ stumpfe Kante. Diese findet man beim Bravo One aber einfach nicht. Alle Kanten sind abgerundet, damit das Messer im eingeklappten Zustand keine Beschädigungen an Hose oder Tasche verursachen kann. Auch eine spezielle Ausfräsung  für den Feuerstahl am Klingenheft oder am Rücken ist nicht vorhanden. So muss man den Stahl über die Schneide ziehen, um Funken zu erzeugen. Dies wirkt sich dann negativ auf die Klingenschärfe aus und kann mitunter zu Beschädigungen führen. Auch kann sich die Zündtemperatur negativ auf die chemische Zusammensetzung der Schneide auswirken.

Das Bravo One im Alltag

Gerade der Feststellungbescheid des BKA, dass das Bravo One keine Waffe ist, macht es zu einem Messer, das man überall mit hin führen kann. So kann es auch im Alltag gut als EDC-Messer genutzt werden.

Die hohe Härte von 59 HRC machen es zu einem zähen Begleiter auch bei härteren Einsätzen. Auch ist das Finish der Klinge gegenüber Kratzern sehr widerstnadsfähig. In den meisten Fällen nutzt man das Messer nur kurzzeitig für Arbeiten, daher stört oft die Flexcord, die man mit wenigen Handgriffen aber schnell entfernen kann. Gerade für diese kurzzeitigen Beanspruchungen ist der rutschfeste Griff prädestiniert. Auch klammen, verschwitzten oder nassen Händen bietet er sicheren Halt.

Die starke Klinge ist für viele Arbeiten gut geeignet. Selbst seitliche Beanspruchung der Klinge beim Aufhebeln von Holzkisten oder verklemmten Metallscharnieren stellt für sie kein Problem dar.
Nur wenn es in einem Notfall mal richtig schnell gehen muss, zeigen sich schnell Grenzen für das Messer auf! Durch den fehlenden Wellenschliff lassen sich Seile, Taue oder Gurtbänder nur schwer durchschneiden. Gerade bei einem Autounfall verstreichen so wertvolle Sekunden, wenn man den Sicherheitsgurt beim Verletzten nicht schnell genug zerteilen kann. Auch fehlt für solche Situationen ein Glasbrecher, der bei den großen Geschwistern aus dem Hause Pohl Force standardmäßig vorhanden ist.

Fazit

Auch wenn wir ein paar Kritikpunkte beim Pohl Force Bravo One Outdoor gefunden haben, handelt es sich doch um ein richtig gutes Messer, das dem Besitzer viel Freude machen wird. Dabei ist es trotz seines sehr ansprechenden Designs nichts für die Vitrine, sondern es will geradezu in den Außeneinsatz. Seine Nähe zu den taktischen Einsatzmessern der Firma Pohl Force kann es auf jeden Fall nicht verleugnen, was man gerade an Klingenform und Griff erkennen kann.

Trotzdem ist es weder als EDC noch als Outdoormesser perfekt!  Hier sollte sich Pohl Force auch überlegen, ob sie nicht ein spezielles EDC-Messer auf der gleichen Basis konzipieren will. Als Outdoormesser ist gerade der Griff nicht immer gut geeignet. Bei den großen taktischen Foldern der Firma ist das kein Problem, ist doch das Einsatzspektrum anders und diese Messer werden oft mit Handschuhen genutzt, was als Wanderer oder Outdoorenthusiast oft nicht der Fall ist.

Diese kleinen Anpassungen würden zwei Messer ergeben, die auch für den zivilen Bereich sehr zu empfehlen wären. So ist das Bravo One in dieser Ausführung noch nicht das Optimum und bei einem recht deftigen Preis von 133,- Euro gibt es auf dem Messermarkt durchaus bessere und auch preiswertere Alternativen.

Björn Eickhoff

Hey, ich bin der Björn. Outdoor, Survival, Hunde und Gear sind genau meine Themen. Neben dem Hundetrainer bin ich Autor und Fotograf.

Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Ein super Review, vor allem die vielen tollen Fotos sind super. Ich bin grade selber auf der Suche nach einem neuen Messer für mich und solche Reviews wie der hier sind echt mehr als hilfreich.

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  2. Pingback: Basic EDC | Björn Eickhoff

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